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ELKA - die volle Kirchengemeinschaft mit der Bischoflichen Kirche


From FRANK_IMHOFF.parti@ecunet.org (FRANK IMHOFF)
Date 24 Aug 1999 11:11:20

Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika stimmt fur die volle
Kirchengemeinschaft mit der Bischoflichen Kirche
Kontroverse um den "historischen Episkopat"

Denver (Vereinigte Staaten von Amerika)/Genf, 23. August 1999 (lwi) -
Mit zwei Drittel der Stimmen bestatigte die Kirchenversammlung der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELKA), die vom 16. bis zum
22. August in Denver (Colorado) stattfindet, die volle
Kirchengemeinschaft mit der Bischoflichen Kirche in den Vereinigten
Staaten (USA).

Nach einer Pressemitteilung des Nachrichten- und Informationsdienstes
der ELKA, ELCA-News, konzentrierte sich in der Diskussion uber die
Vereinbarung zur vollen Kirchengemeinschaft die Debatte am 18. August
auf die eine Frage: Sollte die ELKA eine Form des "historischen
Episkopats" ubernehmen, um in volle Kirchengemeinschaft mit der
Bischoflichen Kirche einzutreten?

Unter dem "historischen Episkopat" wird verstanden, dass in einer Kirche
Bischofe und Pastoren durch Bischofe ordiniert werden, die zusammen mit
ihren Vorgangern in einer ununterbrochenen Reihe stehen, die bis in die
Zeit der Apostel in den Anfangen der Kirchengeschichte zuruckfuhrt.
Dieses Prinzip der apostolischen Sukzession ist bei vielen lutherischen
Kirchen - jedoch nicht bei allen - in der Zeit der Reformation
unterbrochen worden.

Die Debatte um den "historischen Episkopat" zeigt Spannungen zwischen
unterschiedlichen Auffassungen, die tief in verschiedenen Formen
lutherischer Frommigkeit verankert sind. Die mehr als 5,1 Millionen
Mitglieder zahlende ELKA wurde 1987 durch die Vereinigung von drei
lutherischen Kirchen gebildet, die jeweils andere Auffassungen von den
Rollen und den notwendigen Qualifikationen der Pastoren und Bischofe
hatten. Die ELKA ist die zweitgrosste lutherische Kirche in der Welt und
Mitglied des Lutherischen Weltbundes (LWB).

 Mit der Bestatigung der Vereinbarung wird es in Zukunft moglich sein,
dass lutherische Bischofe und Pastoren von Bischofen eingesetzt werden,
deren Kirchen den "historischen Episkopat" bewahrt haben. Pastoren
werden nur noch von Bischofen ordiniert, die von einer bis in die
Anfange der Kirche zuruckgehenden Linie stammen. Die Zustimmung der
Entscheidungsgremien vorausgesetzt wird die Bischofliche Kirche in den
USA, die als  Kirchenprovinz zur weltweiten anglikanischen
Kirchengemeinschaft gehort, im Gegenzug alle lutherischen Pastoren und
Bischofe als in den "historischen Episkopat" eingesetzt anerkennen.

Fur einige Lutheraner wird damit wiederhergestellt, was in der Zeit der
Reformation zerbrach. Pfr. G. Scott Cady von der Neu England Synode der
ELKA betonte, dass die Reformatoren den Episkopat  nicht als "Unsinn"
angesehen hatten, es aber fur einige lutherische Kirchen unter den
gegebenen Zeitumstanden unmoglich gewesen ware, ihn zu bewahren. "Lasst
uns diese frohe und gesegnete Gelegenheit nicht versaumen, die Traume
der Reformatoren fortzusetzen," sagte Cady.
 Fur Pfr. Norman Wahl aus Rochester (Minnesota) hingegen, sei der
Begriff des "historischen Episkopats" im Dokument zu unklar und
unbestimmt. Seine Ubernahme konne die okumenische Tagesordnung der ELKA,
die schliesslich auch die volle Kirchengemeinschaft mit Kirchen der
reformierten Tradition einbeziehe, einengen.

1997 bereits hatte die Kirchenversammlung der ELKA fur die volle
Kirchengemeinschaft mit der Presbyterianischen Kirche in den USA, der
Reformierten Kirche in Amerika und der Vereinigten Kirche Christi
gestimmt.

"Wir brauchen den 'historischen Episkopat' nicht fur unsere Einheit",
unterstrich Pfr. Julie Jones von der  Northern Great Lakes Synode und
stellte sich damit gegen den Text der Vereinbarung.

Viele Befurworter sprachen uber die sehr guten und herzlichen
Beziehungen, die sie mit Mitgliedern der Bischoflichen Kirche in ihren
Heimatstadten hatten. Sie begrussen die Erklarung voller
Kirchengemeinschaft als eine Moglichkeit, diese Beziehungen zu
vertiefen.

Pfr. John Thomas, der gewahlte Prasident der Vereinigten Kirche Christi
(UCC), einer der reformierten Kirchen in voller Kirchengemeinschaft mit
der ELKA, teilte mit, dass auch die UCC uber das Amt der
"Kirchenaufsicht", mit dem auf andere Weise die Aufgaben eines Bischofs
beschrieben wurden, Beratungen aufgenommen hatte. " Wenn Sie
vorangehen", sagte er, " wird auch uns das ermutigen und herausfordern,
uns dieser Frage im Leben unserer eigenen Kirche zu stellen."

Beth Schoffner von der Synode North Carolina drangte die Delegierten der
Kirchenversammlung, "sich nicht langer am Boot festzuklammern und sich
vor den rauhen Winden unserer Zweifel" zu furchten. Sie selbst sahe in
der Vereinbarung "die ausgestreckte Hand Christi und die Macht des
Heiligen Geistes".

 Pfr. Steven Ullestad, Bischof der Synode von Northeastern Iowa
erklarte, dass auch er sich zuvor der vollen Kirchengemeinschaft mit der
Bischoflichen Kirche entgegengestellt hatte, nun aber genug uber sie
gelernt habe, um zur anderen Seite uberzuwechseln. Er sagte: "Die
grosste Gabe, die wir einander anbieten konnen, ist die Schaffung eines
Episkopats, der zugleich evangelisch und historisch ist - nicht allein
wegen unserer Beziehung zu der Bischoflichen Kirche, sondern auch fur
unser Zeugnis gegenuber der Welt."

Pfr. Timothy F. Lull, der Prasident des Pazifisch Lutherischen
Theologischen Seminars in Berkeley (Kalifornien), sprach von einem
"bemerkenswerten Jahrhundert des Wandels" fur die lutherischen Kirchen
und zahlte dafur wichtige Ereignisse auf. "Die Kirche", so Lull, habe
sich vom "Schweigen uber soziale Belange hin zu deutlichen offentlichen
Stellungnahmen entwickelt". Sie habe die Ordination von Frauen
bestatigt, sich zur Mission verpflichtet und damit die Kirchen uber ihre
Wurzeln im nordlichen Europa hinausgefuhrt; sie habe ihr
gottesdienstliches Leben erneuert und tausende neuer Gemeinden
gegrundet. Und er fugte ausdrucklich hinzu: "Niemand hatte Lutheraner
als okumenische Pioniere angesehen. Nun aber erwarten andere von uns die
Fuhrung."

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegrundet, zahlt er inzwischen
128 Mitgliedskirchen, denen rund 58 der 61,5 Millionen Lutheraner und
Lutheranerinnen in 70 Landern angehoren. Das LWB-Sekretariat befindet
sich in Genf (Schweiz). Das ermoglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem
Okumenischen Rat der Kirchen (ORK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen in
Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. okumenische Beziehungen,
Theologie, humanitare Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und
verschiedene Aspekte von Missions- und Entwicklungsarbeit.

 Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION wird als Informationsdienst des
Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben. Veroffentlichtes Material
gibt, falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder
Meinung des LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit "lwi"
gekennzeichneten Beitrage konnen kostenlos mit Quellenangabe abgedruckt
werden.

***
Lutherische Welt-Information (lwi)
Deutsche Redaktion: Barbara Robra
E-mail: br@lutheranworld.org
http://www.lutheranworld.org/


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