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LutheranerInnen bitten juedische Gemeinden um Vergebung


From "Frank Imhoff" <FRANKI@elca.org>
Date Fri, 06 Sep 2002 10:03:48 -0500

Argentinien: LutheranerInnen bitten juedische Gemeinden in
Argentinien und Uruguay um Vergebung
Tiefes Bedauern fuer Antijudaismus und Antisemitismus

Buenos Aires (Argentinien)/Genf, 6. September 2002 (LWI) - In
einer an die juedischen Gemeinden von Argentinien und Uruguay
gerichteten Erklaerung aeusserte die Vereinigte
Evangelisch-Lutherische Kirche (IELU) mit Sitz in Buenos Aires
(Argentinien) ihre "tiefe Betroffenheit" ueber antijuedische bzw.
antisemitische Tendenzen in ihrem geschichtlichen Erbe, die zum
Teil auf den Reformator Martin Luther zurueckzufuehren seien.

In der Erklaerung, die im August 2002 verabschiedet wurde, betonen
die argentinischen Kirchen, dass die Behandlung der juedischen
Glaeubigen von Seiten der ChristInnen eines der tragischsten
Kapitel in der langen Geschichte des Christentums ist. Sehr wenige
wirklich christliche Gemeinden haetten sich dem Antijudaismus bzw.
Antisemitismus zu entziehen vermocht.

Die IELU brachte als christliche Gemeinschaft in Argentinien und
Uruguay sowie als Mitglied des Lutherischen Weltbundes (LWB) ihr
"tiefes Bedauern" ueber diese Tendenzen zum Ausdruck. Dies beziehe
sich auch "auf die Katastrophen - einschliesslich des Holocausts
im 20. Jahrhundert -, die die Juden und Juedinnen in Gebieten mit
einer starken Praesenz der lutherischen Kirche erlitten haben,
trotz der Stimmen von lutherischen Glaeubigen, die vielleicht in
der Minderheit waren und sich nicht diesen Praktiken anschlossen".

Als Erben Martin Luthers muessten sie "mit Schmerz" feststellen,
dass es antijuedische Schriften von Luther und Ermahnungen gegen
die JuedInnen gebe. "Wie es viele von den BegleiterInnen Luthers
im 16. Jahrhundert taten, verwerfen auch wir diese Schmaehreden
und druecken zudem unser tiefes und dauerhaftes Leid fuer deren
tragische Folgen in den nachfolgenden Generationen aus."

In ihrer Erklaerung betont die IELU, dass sie die
Instrumentalisierung und uebertriebene Auslegen der Worte Luthers
seitens der modernen AntisemitInnen zugunsten der Doktrin des
Hasses gegen das Judentum oder gegen die juedischen Glaeubigen
bedauere und ablehne. Im Gegensatz dazu wolle sie mit dieser
Erklaerung "die brennende Sehnsucht, unseren Glauben in Jesus
Christus mit Liebe und Achtung der juedischen Glaeubigen, zum
Ausdruck bringen."

In den letzten Jahren haben lutherische Kirchen in verschiedenen
Teilen der Welt wie auch innerhalb des LWB entscheidende Schritte
der Distanzierung von antisemitischen Schriften Luthers
unternommen. Fuer den LWB fand dieser Prozess seinen Hoehepunkt in
der lutherisch-juedischen Konsultation 1983 in Stockholm
(Schweden) und der Bestaetigung der dort erzielten Ergebnisse
durch die Siebente LWB-Vollversammlung 1984 in Budapest (Ungarn).
Die Vollversammlung empfahl diese Ergebnisse den
LWB-Mitgliedskirchen zur Kenntnisnahme und Eroerterung.
(Zusaetzliches Material enthaelt die LWB-Publikation "Luther,
Lutheranism, and the Jews", LWB-Studien, Genf 1984.)

Die IELU haelt in ihrer Erklaerung fest, dass sie im
Antisemitismus "einen Widerspruch, eine Beleidigung des
Evangeliums und eine massive Verletzung unserer Hoffnung und
Berufung" sehe. "Wir werden unsere Kirche dazu verpflichten, dass
sie sich sowohl im eigenen Kreis wie in der Gesellschaft, in der
wir leben, gegen das unheilbringende Exerzieren dieser Art von
Intoleranz ausspricht."

Die Erklaerung unterzeichneten Pfr. Angel F. Furlan,
IELU-Praesident, Ricardo Pietrantonio, Vizepraesident der IELU und
Sekretaer der bischoeflichen Delegation Ecumenismo y Relaciones
Interreligiosas (Oekumenismus und interreligioese Beziehungen) und
Roberto O. Stein, IELU-Exekutivsekretaer. (477 Woerter)

*       *       *

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
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