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Macht und militaerisches Eingreifen bringen keinen Frieden


From "Frank Imhoff" <franki@elca.org>
Date Sun, 15 Sep 2002 04:58:49 -0500

Militaerische Macht und militaerisches Eingreifen bringen weder
Heilung noch Frieden
Palaestinensischer Bischof Younan: "Werden die Kinder trotz des
Ausgehverbots zur Schule kommen?"

LWB-Ratstagung in Wittenberg (Deutschland), 10. * 17. September
2002

PRESSEMITTEILUNG NR: 12

Wittenberg (Deutschland)/Genf, 14. September 2002 (LWI) * Er sei
optimistisch, dass der Konflikt im Nahen Osten noch friedlich
beigelegt werden koenne, erklaerte der palaestinensische Bischof
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien (ELKJ), Munib A.
Younan gegenueber JournalistInnen in der Lutherstadt Wittenberg
(Deutschland). Am Rande der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes
(LWB), die vom 10. bis 17. September in Wittenberg stattfindet,
betonte Younan, "es gibt keine Situation, in der Heilung
unmoeglich ist. Ich bin davon ueberzeugt, dass es Heilung im Nahen
Osten geben wird". Younan ist Mitglied des LWB-Rates, dem
hoechsten Leitungsgremium des LWB zwischen den in der Regel alle
sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen.

Mit Blick auf das Thema der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli
2003 im kanadischen Winnipeg "Zur Heilung der Welt", sagte Younan,
nach den Terroranschlaegen auf die USA am 11. September 2001 habe
sich der Fokus verschoben. Lag der Schwerpunkt bisher eher auf den
Problemen in den Laendern des Suedens, stuenden nun auch die
Laender der noerdlichen Hemisphaereim Blickfeld. Er unterstrich,
dass militaerische Macht und militaerisches Eingreifen weder
Heilung noch Frieden bringen wuerden. "Wenn wir Heilung fuer die
Welt wollen, duerfen wir nicht akzeptieren, dass das Menschsein
eines Volkes hoeher bewertet wird als das eines anderen. Wir sind
nach Gottes Ebenbild geschaffen und damit Heilung geschehen kann,
muessen wir in unserem Gegenueber Gott sehen," so Younan.

Das Thema der Vollversammlung habe auch Bedeutung im Hinblick auf
die aktuelle Weltsituation. Die Datenautobahn und die moderne
Informationstechnologie vernetze Menschen auf der ganzen Welt,
aber sie schaffe keine Verbindung zwischen den Individuen. "Wir
leben in einer gebrochenen Welt", so Younan. Die Kluft zwischen
armen und reichen Laendern, armen und reichen Kirchen werde immer
groesser.

Voller Stolz berichtete Younan ueber die Friedenserziehung, deren
sich die fuenf Schulen der palaestinensischen Kirche ohne
Einschraenkungen verpflichtet wissen. Allerdings habe er in diesem
Jahr zum ersten Mal keinen Grund zur Freude ueber den Beginn eines
neuen Schuljahres. "Werden die Kinder trotz des Ausgehverbots zur
Schule kommen?", fragte er mit Blick auf die eingeschraenkte
Bewegungsfreiheit, die die Israelis den PalaestinenserInnen
auferlegt haben. "Koennen die Eltern das Schulgeld ueberhaupt noch
bezahlen?", lautete eine weitere Frage angesichts einer
Arbeitslosenrate von rund 70 Prozent im Westjordanland. Rund 3.000
Kinder * 60 Prozent ChristInnen und 40 Prozent MuslimInnen -
besuchen die Schulen der ELKJ, die rund 3.000 Mitglieder in
Jerusalem, Jordanien und dem Westjordanland hat.

Der Nahe Osten sei in einem politischen Konflikt gefangen, der
eine politische Loesung erfordere, so Younan. Er selbst
befuerworte eine Zwei-Staaten-Loesung * einen Staat Palaestina,
der Seite an Seite mit dem Staat Israel lebe. "Wir wollen
Sicherheit fuer Israel, aber die Sicherheit Israels ist abhaengig
von der Freiheit der PalaestinenserInnen", betonte er.

Auf die Frage, welche Loesungsansaetze er sehe, antwortete ounan:
"Die Fluechtlingsfrage muss geloest werden. Jerusalem muss beiden
Voelkern gehoeren - Ost-Jerusalem kann die Hauptstadt der
PalaestinenserInnen sein und West-Jerusalem die der Israelis, mit
offenen Grenzen zwischen beiden Teilen. Fuer die Siedlungspolitik
muss eine Loesung gefunden werden und das Wasser muss gerecht
geteilt werden."

Obwohl dieser Konflikt kein religioeser Konflikt sei, so Younan,
"ist es die Pflicht von Kirchen, Moscheen und Synagogen,
einstimmig fuer den Frieden einzutreten". Es sei wesentlich, dass
die Kirche Katalysator eines gerechten Friedens werde, dass sie
der Versoehnung diene und die Menschenrechte verteidige. "Wir
versuchen, Apostel der Liebe in unserer Region zu sein." So
arbeite die ELKJ mit anderen christlichen Kirchen in und um
Jerusalem zusammen, um Gespraeche zwischen ChristInnen, Juden und
Juedinnen sowie MuslimInnen in Gang zu bringen.

Die Medien haetten die Pflicht, betonte Younan, "der Stimme derer,
die fuer den Frieden arbeiten, sehr viel mehr Gehoer zu
verschaffen. Normalerweise interessieren die Massenmedien sich
dafuer, wenn zwei kaempfen oder wenn Blut vergossen wird, aber sie
zeigen sich nicht sehr interessiert, wenn Menschen Frieden
schaffen." Er rief dazu auf, dem Engagement fuer Frieden in dieser
Region mehr Interesse entgegenzubringen.

An der LWB-Ratstagung in Wittenberg nehmen 103 VertreterInnen der
133 LWB-Mitgliedskirchen aus 73 Laendern sowie rund 140 weitere
TeilnehmerInnen teil, darunter MitarbeiterInnen des LWB,
DolmetscherInnen, Stewards, PressevertreterInnen und Gaeste. Der
49-koepfige Rat besteht aus dem Praesidenten, der Schatzmeisterin
und 47 weiteren Ratsmitgliedern und wird von der Vollversammlung
gewaehlt. Der Lutherische Weltbund umfasst zur Zeit insgesamt 133
Mitgliedskirchen in 73 Laendern und vertritt rund 61,7 Millionen
der weltweit rund 65,4 Millionen LutheranerInnen. (713 Woerter)

Dieser Beitrag gehoert zu einer Feature-Serie der Lutherischen
Welt-Information (LWI) zum Thema der Zehnten LWB-Vollversammlung
2003 "Zur Heilug der Welt". Die Serie beleuchtet die Relevanz des
Vollversammlungsthemas in den verschiedenen regionalen und lokalen
Kontexten der weltweiten lutherischen Gemeinschaft und stellt
Projekte der Versoehnung und Heilung vor angesichts weltweiter
Bedrohung. Die Zehnte LWB-Vollversammlung findet vom 21. - 31.
Juli 2003 in Winnipeg (Manitoba/Kanada) statt.

Waehrend der LWB-Ratstagung in Wittenberg erreichen Sie das
LWB-Kommunikationsbuero ueber den deutschen Mobilfunk-Anschluss:
+49 * (0)170-8345 177.

*	*	*

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 133 Mitgliedskirchen, denen rund 61,7 Millionen der
weltweit rund 65,4 Millionen LutheranerInnen in 73 Laendern
angehoeren.

Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat der
Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen Organisationen.
Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen
gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische Beziehungen, Theologie,
humanitaere Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene
Aspekte von Missions- und Entwicklungsarbeit.

Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als Informationsdienst
des Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben. Veroeffentlichtes
Material gibt, falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die
Haltung oder Meinung des LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder.
Die mit "LWI" gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit
Quellenangabe abgedruckt werden.

***
LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
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Deutsche Redaktion: Dirk-Michael Groetzsch
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