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Suedliches Afrika: "Nutzt die grosse Macht der Kirchen!"


From "Frank Imhoff" <FRANKI@elca.org>
Date Fri, 27 Dec 2002 08:52:47 -0600

Lutherische Kirchen unterstuetzen NEPAD, aber hinterfragen
oekonomische Ausrichtung

Johannesburg (Suedafrika)/Genf, 19. Dezember 2002 (LWI) - Die
Kirche in Afrika "ist ein schlafender Riese, den man wecken muss,
um Afrika zu retten", dies forderte der Generalsekretaer der
Lutherischen Gemeinschaft im Suedlichen Afrika (LUCSA), Bischof
Dr. Ambrose Moyo aus Simbabwe. Auf einer LUCSA-Konsultation Ende
November in Johannesburg (Suedafrika) rief er dazu auf, die grosse
Macht der Kirchen und ihren Einfluss im suedlichen Afrika besser
zu nutzen, um sich aktiv zugunsten der Armen zu engagieren. Die
Kirchen sollten sich vor allem staerker bei der Diskussion und
Konzipierung politischer und wirtschaftlicher Programme in Afrika
beteiligen, so Moyo.

Thema der LUCSA-Konsultation war die im vergangenen Jahr von den
Staats- und Regierungschefs reformorientierter afrikanischer
Staaten ins Leben gerufene Initiative "Neue Partnerschaft fuer die
Entwicklung Afrikas" (NEPAD). Rund 50 Bischoefe und VertreterInnen
der 16 LUCSA-Mitgliedskirchen aus Angola, Botswana, Malawi,
Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Suedafrika und Swasiland
diskutierten vom 25. bis 27. November die NEPAD-Initiative, in der
sich die Staaten Afrikas zu Demokratie, Menschenrechten, guter
Regierungsfuehrung und stabiler Wirtschaftspolitik verpflichten.

NEPAD ist ein neuer, afrikanischer Versuch, die Beziehung Afrikas
zu den Industrienationen neu zu definieren und strebt einen Dialog
auf gleicher Augenhoehe mit den dominierenden Wirtschaftsmaechten
an. Die Initiative soll dazu beitragen, eine nachhaltige
Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum zu foerdern und die
Armut in Afrika zu bekaempfen. NEPAD ist auch das Grunddokument
der Afrikanischen Union (AU), die am 1. Juli aus der Organisation
fuer Afrikanische Einheit (OAU) hervorging, und bekennt sich unter
anderem zur kollektiven Eigenverantwortung Afrikas, zu eigenen
afrikanischen Entwicklungskonzepten und zu afrikanischer
Solidaritaet.

Als ein langfristig konzipiertes Grundsatzprogramm fuer
afrikanische Entwicklung und Armutsbekaempfung findet NEPAD
weitgehend Anerkennung und Unterstuetzung sowohl bei Kirchen,
zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen als auch
bei den Industrienationen sowie der Mehrheit der afrikanischen
Regierungen. Kritik richtet sich jedoch gegen die fehlende
Konsultation der Zivilgesellschaft und die Fixierung auf die
globale wirtschaftliche Integration Afrikas in einer Situation
ungleicher wirtschaftlicher Machtverhaeltnisse. So hat die
zunehmende Privatisierung der Wasser- und Stromversorgung bereits
zu erheblichen Preissteigerungen und damit zu einer noch
groesseren Benachteiligung der Armen gefuehrt.

Vor dem Hintergrund, dass viele Kirchen und zivilgesellschaftliche
Initiativen angesichts der fortschreitenden Privatisierung
zunehmende Armut und Arbeitslosigkeit befuerchten, beriefen sich
die TeilnehmerInnen der LUCSA-Konsultation auf die prophetische
Aufgabe der Kirchen, die Stimme fuer die Armen der Welt zu erheben
und mit politischen EntscheidungstraegerInnen in einen kritischen
Dialog zu treten. Diese Aufgabe haetten die Kirchen seit dem
Erlangen der politischen Unabhaengigkeit in ihren Laendern bisher
stark vernachlaessigt, betonte Bischof Moyo.

"Es ist ein Skandal, dass Kirchen teilnahmslos zuschauen, wie in
einigen Laendern der Wille des Volkes ignoriert wird - und noch
schlimmer ist es, wenn Kirchen zu Kollaborateurinnen werden",
erklaerte der lutherische Bischof. Moyo forderte die Kirchen im
suedlichen Afrika auf, sich von einer "gefaehrlichen Allianz" mit
politischen Regierungsparteien zu loesen, die vor der
Unabhaengigkeit gemeinsam mit den Kirchen fuer Freiheit und
Gerechtigkeit gekaempft haetten. Diese Allianz wuerde verhindern,
dass die Kirche die noetige kritische Distanz zum heutigen Staat
und zu staatlichen Entwicklungsprogrammen haelt. "Selbst wenn
korrupte RegierungsvertreterInnen Mitglieder unserer Kirchen sind,
ziehen wir sie nicht zur Rechenschaft", so Moyo.

Auch der Vorsitzende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche
im Suedlichen Afrika, Bischof Louis Sibiya, forderte die Kirchen
auf, sich ihrer Macht und des Potenzials ihrer vorhandenen
Strukturen bewusst zu werden, um sowohl mit leitenden
RegierungsvertreterInnen als auch mit den Menschen in Doerfern und
Gemeinden in staendiger Verbindung zu bleiben. "Die Kirchen
besitzen die noetigen Strukturen, die Macht und die Faehigkeiten,
Menschen auf verschiedensten Ebenen anzusprechen, zu informieren
und zu begleiten." Im Gegensatz zu Regierungen und NGOs seien
Kirchen transnationale Organisationen mit einem weltweiten
Netzwerk der Solidaritaet und des Informationsaustausches.
Gleichzeitig seien Kirchen durch ihre Gemeindearbeit selbst in den
kleinsten Doerfern in den laendlichen Gebieten praesent.

Fachleute von Gewerkschaften und aus der Wirtschaft sowie
TheologInnen informierten die KonferenzteilnehmerInnen aus
verschiedenen Perspektiven ueber die Grundlagen, Inhalte, Staerken
und Schwaechen von NEPAD. Die Konsultation war ein erster Schritt
in der Umsetzung des LUCSA-Programms "Civic Education and Public
Policy Program", das Kirchen und Gemeinschaften darin
unterstuetzen soll, die oeffentliche Diskussion ueber
Entwicklungsstrategien anzustossen.

Im Abschlusskommunique der LUCSA-Konsultation wird NEPAD als eine
positive Initiative beschrieben, die das Ziel verfolgt, die Armut
in Afrika abzuschaffen. Allerdings wurde die rein oekonomische
Ausrichtung von NEPAD in Frage gestellt. Vor allem muesse die
Einbeziehung der Zivilgesellschaft sichergestellt werden. In
Zukunft sollen sich die LUCSA-Mitgliedskirchen staerker
gegenseitig unterstuetzen und groessere Solidaritaet ueben,
besonders in Zeiten politischer Repressionen. Auch bestaerkten
sich die Kirchen in ihrem Entschluss, zukuenftig ihre Stimme
lauter gegen inkompetente oder korrupte Regierungen zu erheben. Es
ist geplant, Konsultationen zu NEPAD in den verschiedenen Laendern
der LUCSA-Mitgliedskirchen auf lokaler Ebene zu veranstalten.
(766 Woerter)

*	*	*

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