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Militaerdienst fuer Adventisten in den USA attraktiv


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Date Tue, 21 Nov 2006 07:56:34 +0100

Militaerdienst fuer Adventisten in den USA attraktiv

21. November 2006

Adventistischer Pressedienst (APD)

Christian B. Schaeffler, Chefredakteur

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Militaerdienst fuer Adventisten in den USA attraktiv

Washington D.C./USA (APD) "Etwa 7.500 Siebenten-Tags-Adventisten dienen zur Zeit als Soldaten in den US-Streitkraeften", teilte Pastor Gary R. Councell (Silver Spring, Maryland/USA), stellvertretender Leiter der Militaer-, Krankenhaus- und Gefaengnisseelsorge der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz), mit. Sie wuerden von rund 50 Militaergeistlichen der Freikirche betreut. "Doch wo bleiben die Nichtkaempfer, wie beispielsweise der Adventist Desmond Doss, der sich im Zweiten Weltkrieg weigerte, eine Waffe in die Hand zu nehmen, und dennoch als Sanitaeter von US-Praesident Harry S. Truman die Ehrenmedaille des Kongresses als hoechste Auszeichnung der Vereinigten Staaten fuer die Rettung von 75 verwundeten Kameraden auf Okinawa erhielt?", fragte Councell. Als die Freikirche im 19. Jahrhundert gegruendet wurde, haetten keine Zweifel bestanden, dass Adventisten Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgruenden seien.

Noch in den 1970er Jahren sei es fuer fast alle Siebenten-Tags-Adventisten in den USA undenkbar gewesen, sich freiwillig zum Militaerdienst zu melden. Doch das habe sich inzwischen geaendert, beklagte Douglas Morgan (Silver Spring, Maryland/USA), Vorsitzender der 2001 gegruendeten privaten Adventist Peace Fellowship (Adventistische Friedensgemeinschaft). Ein Wendepunkt sei nach dem Rueckzug der USA aus dem Vietnamkrieg die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 1973 gewesen. Seitdem habe die adventistische Kirche in den Vereinigten Staaten kaum noch Seminare fuer junge Leute zum Thema Militaerdienst durchgefuehrt. Auch verfuege sie dort nur noch ueber sehr wenige Experten, die Jugendliche zu diesem Thema fachkundig beraten koennten. "ueber Kriegsdienstverweigerung wird in adventistischen Schulen, Kirchengemeinden und Elternhaeusern eigentlich nicht mehr gesprochen, da die Wehrpflicht schon zu lange zurueckliegt. Aber wie sollen Jugendliche dann eine Orientierungshilfe bekommen?", gab Morgan zu bedenken. Daher sei es nicht verwunderlich, dass die Armee in die berufliche Planung mit einbezogen werde.

Laut Pastor Councell sei der Wehrdienst fuer junge Adventisten durchaus attraktiv. So waere ein Hochschulbesuch in den USA sehr teuer. Hier biete die Regierung nach dem Motto "Gehst du zu den Streitkraeften, finanziere ich dein Studium" Hilfe an. Arbeitslose ohne Perspektive faenden in der Armee ein geordnetes Dasein, wuessten, was von ihnen erwartet werde, und koennten eine Berufsausbildung absolvieren. Vielen stelle sich nicht mehr die Frage, ob die Ausbildung zum Toeten ethisch zu verantworten sei. Sie saehen in den Streitkraeften die Moeglichkeit, spaeter als Zivilist bessere Berufschancen zu haben. In den USA leben eine Million erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 4.800 Gemeinden.

"In Europa herrscht dagegen unter den Adventisten im Allgemeinen noch immer die Ansicht, dass der Militaerdienst nicht in Uebereinstimmung mit den Grundsaetzen ihrer Freikirche steht", betonte der Praesident der Siebenten-Tags-Adventisten in den Niederlanden, Pastor Dr. Reinder Bruinsma, Huis ter Heide bei Utrecht. So sei es zum Beispiel aeusserst ungewoehnlich, wenn ein Adventist in Holland Soldat werde. Der Zweite Weltkrieg mit seinen Zerstoerungen stuende immer noch im Bewusstsein der europaeischen Mitglieder der Freikirche. In Polen gebe es einige junge Adventisten, die sich fuer den Wehrdienst entschieden. "Doch das ist ihre ganz persoenliche Gewissensentscheidung", meinte der Sekretaer (Geschaeftsfuehrer) der polnischen Adventisten, Pastor Roman Chalupka (Warschau). Die Freikirche empfehle keineswegs den Militaerdienst, uebe aber auch keinen Druck auf ein Mitglied aus, das sich anders entscheide.

"In Deutschland leisten fast alle wehrpflichtigen Adventisten Zivildienst", teilte Pastor Holger Teubert (Ostfildern bei Stuttgart), Leiter des Referates fuer Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, mit. Selbst in der frueheren DDR haetten etwa 90 Prozent der wehrpflichtigen Mitglieder der Freikirche den waffenlosen Dienst als Bausoldaten gewaehlt, obwohl er mit Schikanen und beruflichen Nachteilen verbunden gewesen waere.

In der Schweiz leisten die meisten adventistischen Christen den Militaerdienst ohne Waffen, so Dr. Pierre Hess, Abteilungsleiter fuer religioese Freiheit der Schweizer Union der Freikirche. "Diejenigen die zunaechst den Dienst mit Waffe waehlen, lassen sich nach der Grundausbildung immer haeufiger zum waffenlosen Dienst einteilen. Auch der Zivildienst wird als Alternative genutzt."

"Als 1863 die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in den USA gegruendet wurde, tobte gerade der Amerikanische Buergerkrieg, sodass die Kirchenleiter bei der Regierung in Washington die Anerkennung ihrer Glaubensgemeinschaft als Nichtkaempfer beantragten, die 1864 auch gewaehrt wurde", erlaeuterte Teubert. Als die Nordstaaten immer mehr Soldaten benoetigten, haetten sich die Faelle gehaeuft, in denen Adventisten die Rechte als Nichtkaempfer verweigert und sie gegen ihren Willen eingezogen worden seien. Die Freikirchenleitung habe die persoenliche Entscheidung des Einzelnen akzeptiert und niemanden ausgeschlossen, der dem Druck nachgab und entgegen den Empfehlungen der Kirche als Soldat Waffendienst leistete. Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, haetten sich die amerikanischen Adventisten wie im Buergerkrieg bei der Regierung um die Anerkennung als Nichtkaempfer bemueht, ebenso im Zweiten Weltkrieg sowie im Korea- und Vietnamkrieg.

Dass jetzt einige tausend amerikanischer Adventisten freiwillig Militaerdienst leisteten, sei fuer Teubert nicht nachvollziehbar. Er erinnerte daran, dass der Praesident der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), der aus Norwegen stammende Pastor Dr. Jan Paulsen, die positive Haltung US-amerikanischer Adventisten zum Militaer indirekt kritisierte. In einer Pressekonferenz im Oktober 2002 habe er im Hinblick auf einen moeglichen Irak-Krieg daran erinnert, dass die Freikirche traditionell ihre Mitglieder auffordere, nicht an Kampfhandlungen teilzunehmen. "Ich bin Kriegsdienstverweigerer", unterstrich er damals, "und es mag sein, dass sich unsere Kirche an diesen Standpunkt erneut erinnern lassen muss".

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Diese Agenturmeldung ist auch im Internet abrufbar :

http://www.stanet.ch/apd/news/1254.html

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