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PRESSEMITTEILUNG NR: 01Die Menschheit steht an einem Scheideweg
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Wed, 25 Jun 2008 22:12:28 -0700
LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
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LWB-Ratstagung in Arusha (Tansania) 25. bis 30. Juni 2008
PRESSEMITTEILUNG NR: 01
Die Menschheit steht an einem Scheideweg
LWB-Praesident Hanson: Globaler Klimawandel ist eine Realitaet
Das Beweismaterial ist gewaltig und die Konsequenzen sind
unausweichlich
Arusha (Tansania)/Genf, 25. Juni 2008 (LWI) Angesichts der
Ausbeutung und Missachtung der Schoepfung und der daraus
resultierenden Folgen des Klimawandels stehe die Menschheit an
einem Scheideweg, so der Praesident des Lutherischen Weltbundes
(LWB), Bischof Mark S. Hanson, zum Auftakt der LWB-Ratstagung im
nordtansanischen Arusha. Die Menschen seien nicht nur vor die
Frage gestellt, wohin sie in Zukunft gingen, sondern auch, wo sie
heute wirklich stuenden und wer gemeinsam mit ihnen an diesem
Scheideweg sei, so der Leitende Bischof der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELKA) in seiner
Ansprache am Mittwoch, 25. Juni.
Die Ratstagung mit rund 170 Teilnehmenden findet auf Einladung
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) vom 25.
bis 30. Juni in Arusha in Nordtansania statt.
Mit Blick auf das Thema der Ratstagung: â??Schmelzende Schneekappe
auf dem Kilimandscharo: Zeugnis inmitten der leidenden Schoepfungâ??
betonte Hanson, dass nicht nur die Schneekappe schmelze. Die
Bergwasser, die der Erde und den darauf lebenden Menschen jedes
Fruehjahr neues Leben schenkten, naehmen mit dem Rueckgang des
Gletschers ab. Die Luft veraendere sich und Geschoepfe stuerben
aus, Menschen verhungerten, so Hanson. Der globale Klimawandel
sei eine Realitaet, die nicht geleugnet werden koenne. Das
Beweismaterial sei gewaltig und die Konsequenzen unausweichlich.
Die Menschheit habe in ihrer ganzen Geschichte, aber insbesondere
in den letzten Jahrhunderten, so getan, als ob sie dazu berufen
sei, â??Gott aehnlicher zu sein als der uebrigen Schoepfung.â?? Laut
Hanson vereinnahmen in der christlichen Tradition diejenigen, die
sich so verhalten, biblische Formulierungen fuer sich, wie die
Aufforderung aus dem 1. Buch Mose, sich die Erde â??untertanâ?? zu
machen und ueber sie zu â??herrschenâ??.
Es sei wichtig, dass sich die Menschen der Einzigartigkeit ihrer
Verantwortung fuer die uebrige Schoepfung bewusst wuerden. Es sei
aber Verrat, â??wenn wir unser kreatuerliches Sein verleugnen und
eine Beziehung der Herrschaft ueber unsere Mitgeschoepfe
beanspruchen.â??
Auflehnung des Menschen gegen Gott
Die Berufung, â??zu herrschenâ?? und â??untertan zu machenâ??, habe nie
die Aufforderung an die Menschen beinhaltet, ihre eigenen Goetter
zu sein, so der LWB-Praesident. Der Anspruch, Vorrechte als
â??Mit-Schoepferâ?? zu haben, sei Ausdruck der Auflehnung des
Menschen gegen Gott, â??gegen unser kreatuerliches Sein und gegen
unsere wahre Berufung zum verantwortlichen Umgang mit der
Schoepfung.â??
Die Menschen haetten die Erde behandelt, als wuerde sie ihnen
ihre Existenz verdanken. Dabei handelt es sich laut Hanson um
weit mehr als ein Umweltproblem. Die Menschheit habe in Gedanken
und Werken so getan, als ob es Zweck der Schoepfung sei, dem
Menschen zu dienen und ihn zu verherrlichen. Hinzu komme, dass
die Menschheit Wert und Nutzen der Erde an ihrer Nuetzlichkeit
fuer den Menschen und seine Bestrebungen messe.
Das Problem, so der LWB-Praesident, liege letzten Endes nicht
einfach in der Verschmutzung von Wasser und Luft und der daraus
resultierenden globalen Erwaermung. Es liege vielmehr â??in der
spirituellen Blasphemie, Gottes gute Schoepfung als etwas anderes
zu behandeln, als das, was sie in Wirklichkeit ist: als
feindliche Wildnis, gottverlassene Oede, Muellhalde und
Lagerstaette natuerlicher Ressourcen, die wir fuer unsere eigenen
Interessen benutzen, statt Gott zu gehorchen und sie um ihrer
selbst willen zu hegen und zu pflegen.â??
Systematischer Angriff auf Lebewesen
Trotz dieses Missbrauchs der Schoepfung durch den Menschen
wuerden Land, Meere und Himmel, wie verunstaltet auch immer,
fortbestehen, betonte Hanson. Die Lebewesen, die die Erde
bewohnten, seien jedoch sehr viel anfaelliger. Umweltvergehen wie
die ruecksichtslose Verschmutzung von Luft und Wasser, die
gierige Ausbeutung von Waeldern und Ackerland, der Missbrauch von
Nahrungsmitteln fuer verschwenderischen Konsum und der daraus
resultierende Klimawandel stellten einen systematischen Angriff
auf die Lebewesen dar, die Mitgeschoepfe des Menschen seien.
Im Blick auf das wahrhafte Zeugnis vom haushalterischen Umgang
mit der Schoepfung ginge es schliesslich auch um die â??Oekologieâ ??
des eigenen Koerpers. â??Wir versaeumen es vielfach, uns um unseren
eigenen geschaffenen Koerper und Geist, unsere Seele und unsere
Gefuehle zu kuemmernâ??. Mit der Art und Weise, wie die Menschen
lebten, braechten sie zum Ausdruck, sie seien ihre eigenen
Goetterâ??. Gehorsame HaushalterInnen der Erde koennten jedoch
Selbstkontrolle ausueben, die sie zur Erfuellung ihrer Berufung
als Geschoepfe Gottes befreie, so Hanson.
Sich nur auf die Realitaet des Klimawandels selbst zu
konzentrieren und die geistliche Krise der Blasphemie gegen Gott
und seine Schoepfung zu ignorieren, fuehre jedoch genauso in die
Irre wie die Leugnung des Klimawandels und seiner Konsequenzen.
Ebenso wuerden sich die Menschen ihrer Verantwortung fuer sich
selbst und ihrer Rechenschaftspflicht gegenueber Gott und seiner
Schoepfung entziehen, wenn sie allzu bereitwillig die Rolle des
kritisch Fragenden uebernaehmen.
Ressourcen, sich der Krise zu stellen
Eine Gemeinschaft mit einer reichen theologischen Tradition
verfuege jedoch ueber die notwendigen Ressourcen, um sich der
bestehenden Krise zu stellen. Die Gemeinschaft von Kirchen
erkenne an, â??dass ein lebendiger und taetiger Glaube, der dem
Naechsten dient, aus dem Hoeren des Wortes und der Antwort auf
Christi Ruf erwaechstâ??, so Hanson. Diese Gemeinschaft engagiere
sich in Diskussionen und Konsultationen, in Verkuendigung und
konkreten Aktionen, die einen lebendigen Glauben forderten, der
in Christus Gestalt annehme.
Aenderungen in Politik und Praxis
Das laufende Studienprogramm der LWB-Abteilung fuer Theologie und
Studien â??Theologische Antworten auf den Klimawandelâ?? stelle nur
ein Beispiel fuer den theologischen Dialog dar, der in der ganzen
LWB-Gemeinschaft gefuehrt werde.
Hanson forderte die lutherischen Kirchen dazu auf, in ihren
Laendern fuer Aenderungen sowohl in der Politik als auch in der
Praxis einzutreten. Als Beispiele nannte er Initiativen der
lutherischen Kirchen in den Daenemark, Papua-Neuguinea, Schweden
sowie den nordischen und baltischen Kirchen, Tansania und den USA
sowie den vom LWB initiierten Dialog mit indigenen Voelkern in
Asien.
Massnahmen zur Bewahrung der Schoepfung, wie die Gespraeche und
Dialoge, die die lutherischen Kirchen fuehrten, reichten von
lokalen Initiativen bis hin zu globalen Partnerschaften. So
arbeite eine Reihe von Kirchen zum Beispiel in
Wiederaufforstungsprojekten mit, die Teil umfassenderer
Strategien zu einem anderen Umgang mit der Schoepfung seien,
betonte Hanson.
Das Leiden der Schoepfung sei eine ernuechternde Wahrheit, der
sich die Menschen stellen muessten. â??Voller Demut und Scham
muessen wir erkennen, dass die Beziehung des Menschen zu Gott und
seiner Schoepfung zerbrochen ist, dass wir selbst Teil dieser
Blasphemie und dieses Missbrauchs sind. Die Last der Schuld, die
Scham angesichts unserer Verantwortung fuer solches Leid und die
Angst vor den Konsequenzen koennten leicht dazu fuehren, dass wir
uns gegeneinander wenden, uns gegenseitig die Schuld zuweisen und
verurteilen.â?? Dies entspreche, so der LWB-Praesident, jedoch
nicht der menschlichen Gemeinschaft, auf die die Schoepfung
sehnsuechtig warte. Dies entspreche auch nicht der Gemeinschaft,
â??die wir in Jesus Christus sind, denn eine solche Gemeinschaft
kann nicht mit Scham bedeckt werden, weil sie aus der Hoffnung
lebtAn der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha
(Tansania) nehmen knapp 80 VertreterInnen von
LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darueber
hinaus sind rund 95 weitere Teilnehmende registriert, darunter
DolmetscherInnen, Gaeste, Mitarbeitende des LWB,
PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-koepfige LWB-Rat fuehrt
zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden
Vollversammlungen die Geschaefte des Weltbundes. Er tagt alle 12
bis 18 Monate. Der aktuelle Rat wurde waehrend der Zehnten
LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg
gewaehlt. Der Rat besteht aus dem Praesidenten, dem Schatzmeister
sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repraesentieren.
Die gastgebende Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELKT)
ist die zweitgroesste lutherische Kirche in Afrika. Zu den 20
Dioezesen der ELKT gehoeren rund 4,6 Millionen Mitglieder. Die
viertgroesste lutherische Kirche weltweit gehoert seit 1964 zum
LWB. Leitender Bischof der Kirche ist Alex G. Malasusa.
Waehrend der LWB-Ratstagung erreichen Sie das LWB-Buero fuer
Kommunikationsdienste ueber den Mobilfunk-Anschluss: +255/713-480
216.
* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 140 Mitgliedskirchen, denen rund 68,3 Millionen
ChristInnen in 78 Laendern weltweit angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als
Informationsdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB)
herausgegeben. Veroeffentlichtes Material gibt, falls dies nicht
besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB
oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit â??LWIâ??
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
abgedruckt werden.
Dirk-Michael Groetzsch
German Editor
The Lutheran World Federation
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150, route de Ferney
P. O. Box 2100
CH-1211 Geneva 2
SWITZERLAND
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