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(LWI 10-04-2008) Norwegen: Internationales Symposium zur Schuldenproblematik unter LWB-Beteiligung
From
"Dirk-Michael Grötzsch" <dmg@lutheranworld.org>
Date
Mon, 20 Oct 2008 21:41:10 +0200
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Norwegen: Internationales Symposium zur Schuldenproblematik
unter LWB-Beteiligung
KirchenvertreterInnen fordern konkrete Massnahmen zur Sicherung
der Rechte der Armen
Genf, 20. Oktober 2008 (LWI) - VertreterInnen von Staaten,
Kirchen und kirchlichen Partnerorganisationen, Organisationen aus
dem System der Vereinten Nationen und dem zivilgesellschaftlichen
Bereich sowie JuristInnen nehmen derzeit an einem internationalen
Symposium zur illegitimen Auslandsverschuldung teil. Die vom
Lutherischen Weltbund (LWB), der Schwedischen Kirche und der
norwegischen kirchlichen Hilfsorganisation Norwegian Church Aid
(NCA) gemeinsam organisierte Veranstaltung findet vom 20. bis 23.
Oktober in Oslo (Norwegen) statt.
Das auch vom norwegischen Aussenministerium unterstuetzte
Symposium will allgemeine, auf Staatsschulden und deren
Konsequenzen fuer die menschliche Entwicklung anwendbare
Rechtsprinzipien definieren. Die Teilnehmenden, zu denen auch
LWB-Praesident Bischof Mark S. Hanson und LWB-Generalsekretaer
Pfr. Dr. Ishmael Noko zaehlen, werden sich darueber hinaus mit
Beispielen politischer Initiativen zur Problematik befassen und
auf dieser Grundlage versuchen, Vorschlaege fuer ein zukuenftiges
multilaterales politisches Vorgehen zu erarbeiten, mit dessen
Hilfe das Thema Staatsschulden der Herrschaft von Recht,
Gerechtigkeit und ethischen Massstaeben unterworfen werden
koennte.
Die OrganisatorInnen verweisen darauf, dass die
Auslandsverschuldung nach wie vor die Rechte und die Wuerde von
Millionen Menschen weltweit insbesondere in armen Laendern
verletze, da auf der Weltebene Anstrengungen zur Loesung
systembedingter Probleme und Widersprueche bei der Kreditvergabe
und in der Praxis des Schuldenmanagements fehlten.
Es gibt allerdings ermutigende Ausnahmen, von denen bei der
dreitaegigen Veranstaltung ebenfalls die Rede sein soll. Hierzu
gehoeren etwa die 2006 von der norwegischen Regierung getroffene
Entscheidung, fuenf afrikanische und suedamerikanische Laender zu
entschulden, sowie die Einrichtung einer Untersuchungskommission
in Ecuador im Jahr 2007, die die rechtlichen, politischen und
sozialen Faktoren prueft, die zur Anhaeufung der illegitimen
Schulden des Landes gefuehrt haben.
“Die armen Laender hoffen, dass der Welt durch das Symposium
in Oslo die Sittenwidrigkeit dieser Kredite vermittelt wird und
sie sich bewusst macht, dass die Auslandsverschuldung … die armen
Laender ihrer Lebenskraft beraubt”, erklaerte Bischoefin
Victoria Cortez Rodríguez, LWB-Vizepraesidentin fuer die Region
Lateinamerika und die Karibik, gegenueber der Lutherischen
Welt-Information (LWI).
Seit 2004 unterhalten die lateinamerikanischen
LWB-Mitgliedskirchen ein anwaltschaftliches Programm, das sich
mit der Illegitimitaet von Auslandsschulden in Lateinamerika und
der Karibik auseinandersetzt. Das Programm wird von der
LWB-Abteilung fuer Mission und Entwicklung (AME) unterstuetzt und
auf lokaler Ebene koordiniert. Es hat zum Ziel, sowohl in
Entwicklungslaendern als auch in Industrielaendern das
Bewusstsein fuer die Illegitimitaet von Auslandsschulden auf den
verschiedenen kirchlichen Ebenen zu schaerfen.
Die norwegische Finanzministerin Kristin Halvorsen begruesste,
dass die OrganisatorInnen des Symposiums “so viele bedeutende
Teilnehmende aus Norwegen und aller Welt versammelt haben, um die
Schuldenlast zu diskutieren, unter der so viele arme Laender
leiden”. Sie betonte, es sei notwendig, sich “mit den
Bedingungen auseinander[zu]setzen, die zum Vergabezeitpunkt an
derartige Kredite geknuepft waren, und fest[zu]stellen, wer
tatsaechlich von ihnen profitiert”. Halvorsen ist
Hauptreferentin bei dem Symposium.
Der ecuadorianische Minister Ricardo Patiño, ebenfalls einer der
ReferentInnen, wuerdigte den “politischen Mut”, den die
ecuadorianische Regierung unter Praesident Rafael Correa mit der
Entscheidung bewiesen habe, die oeffentlichen Schulden Ecuadors
eingehend zu pruefen und auf ihre Legitimitaet hin zu
untersuchen. Im Untersuchungszeitraum 1976 bis 2006 seien die
Schulden des Landes von 1,175 Milliarden US-Dollar (USD) auf
14,25 Milliarden USD gestiegen, erklaerte Patiño, Vorsitzender
der staatlichen Kommission fuer eine umfassende Pruefung der
oeffentlichen Schulden, gegenueber der LWI. Nur 17 Prozent dieses
Betrags seien tatsaechlich zum Nutzen der Gesellschaft investiert
worden.
“Wir sind mit einer Situation konfrontiert, in der das Land
und seine Bevoelkerung von den internationalen
Finanzinstitutionen und den involvierten damaligen
Regierungsverantwortlichen regelrecht ausgeraubt wurden
beziehungsweise werden”, so Patiño. Wenn Ecuador nun sein
historisch verbrieftes Recht auf Wiederherstellung seiner
Legitimitaet sowie seiner Wuerde verteidige, rechne das Land
dabei auf die Unterstuetzung der Voelkergemeinschaft.
Erik Solheim, norwegischer Minister fuer Umwelt und Entwicklung,
verwies darauf, dass die Diskussion der Mitverantwortung der
Glaeubiger, der Illegitimitaet von Krediten und einer
verantwortungsvollen Kreditvergabe wichtiger Bestandteil der
internationalen Schuldendebatte sei, die sein Land aktiv
unterstuetze. “Die Diskussion sittenwidriger (odious) und
illegitimer Schulden [ist] wichtig, damit zukuenftig eine
verantwortungsvollere Kreditvergabepraxis gewaehrleistet ist und
eine neue Schuldenkrise vermieden wird”, so Solheim. (650
Woerter)
Das Programm des Internationalen Symposiums zur Problematik der
illegitimen Verschuldung ist auf der LWB-Webseite in englischer
Sprache zugaenglich unter:
www.lutheranworld.org/Special_Events/Oslo_2008/Program-International_Symposium_Illegitimate_Debt_2008.pdf
Eine Vertiefung des Themas bietet die neue LWB-Publikation
“Nicht nur Zahlen. Kritische Fragen zur Legitimitaet von
Auslandsschulden”, die in Kuerze erscheinen wird. Die bei
Lutheran University Press erschienene englische Ausgabe kann
bestellt werden unter: www.lutheranupress.org/catalog/-p-95.html
Das internationale Symposium zur illegitimen
Auslandsverschuldung findet im Voksenaasen Conference Center in
Oslo statt. Informationen zum Konferenzzentrum finden Sie in
englischer Sprache auch online unter: www.voksenaasen.no/en/
Fuer weitere Informationen und Interviewanfragen wenden Sie sich
bitte an Frau Pauline Mumia, E-Mail: Mumia@lutheranworld.org,
Tel:. +41/76-396 2863
>* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft
lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden)
gegruendet, zaehlt er inzwischen 141 Mitgliedskirchen, denen rund
68,3 Millionen ChristInnen in 79 Laendern weltweit angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als
Informationsdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB)
herausgegeben. Veroeffentlichtes Material gibt, falls dies nicht
besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB
oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit “LWI”
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
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