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(LWI 10-06-2008) LWB-Konsultation diskutiert Wechselbeziehung zwischen Verkuendigung und Entwicklung


From "Dirk-Michael Grötzsch" <dmg@lutheranworld.org>
Date Sun, 26 Oct 2008 20:19:17 +0100

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LWB-Konsultation diskutiert Wechselbeziehung zwischen
Verkuendigung und Entwicklung

Direktor der LWB-Abteilung fuer Weltdienst: Mensch steht im
Mittelpunkt

Addis Abeba (Aethiopien)/Genf, 26. Oktober 2008 (LWI) – Ein
Schreiben der Aethiopischen Evangelischen Kirche Mekane Yesus
(AeEKMY) an den Lutherischen Weltbund (LWB) vom Mai 1972 zum
Thema „Wechselbeziehung zwischen Evangeliumsverkuendigung und
menschlicher Entwicklung“ stand im Mittelpunkt einer intensiven
Debatte bei der globalen Konsultation ueber Diakonie in der
aethiopischen Hauptstadt Addis Abeba. An der vom LWB
veranstalteten Konsultation vom 13. bis 17. Oktober nahmen
mehrheitlich VerantwortungstraegerInnen der LWB-Mitgliedskirchen
und ihrer Partnerorganisationen im Bereich Diakonie teil.

Der fuer die Organisation der Veranstaltung verantwortliche
Direktor der LWB-Abteilung fuer Mission und Entwicklung (AME),
Pfr. Dr. Kjell Nordstokke, forderte die 60 Teilnehmenden auf,
sich mit dem Schreiben der AeEKMY zu befassen und es von der
heutigen Warte aus dahingehend zu diskutieren, ob es auf den
Kontext der aktuellen internationalen diakonischen Arbeit noch
anwendbar sei.

Pfr. Paul Hoffman, vor 36 Jahren Beigeordneter Direktor der
damaligen Theologischen Abteilung des LWB, beschrieb Inhalt und
Hintergrund des Schreibens. Laut Hoffman gab es zum damaligen
Zeitpunkt im LWB Spannungen hinsichtlich der Verteilung der
Mittel zwischen der Abteilung fuer Weltdienst und der damaligen
Abteilung fuer Weltmission.

Hoffman wuerdigte den ehemaligen Generalsekretaer der AeEKMY,
Pfr. Gudina Tumsa, auf den verschiedene Aussagen des Schreibens
zurueckgehen. Hoffman war spaeter an der Zusammenstellung von
Tumsas Werken zur Veroeffentlichung durch die Gudina Tumsa
Foundation beteiligt, die im Gedenken an den 1979 von der
aethiopischen Revolutionsregierung ermordeten Kirchenleiter
gestiftet wurde.

>Ganzheitliche Persoenlichkeitsstruktur

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Tagung berichtete
Yenenesh Geleta, Dozentin an der Management- und
Fuehrungsakademie der AeEKMY, das Schreiben sei entstanden aus
einem Ungleichgewicht der Finanzierung von Entwicklungsprojekten
und evangelistischen Aktivitaeten im Zusammenhang mit der
menschlichen Entwicklung.

In gewissem Sinne sei das Schreiben, so Geleta, ein Appell
gewesen, Abhilfe zu schaffen, der sich damals an die Partner im
Ausland richtete. Allerdings seien die Kirchenmitglieder an der
Basis ueber die Herausforderungen, mit denen die Kirche
konfrontiert war, nicht informiert worden.

„Afrika muss sich auf das Erbe einer ganzheitlichen
Persoenlichkeitsstruktur besinnen und die Beruehrungspunkte
zwischen der physischen und der spirituellen Ebene wertschaetzen.
[Als] Protestantinnen und Protestanten muessen wir Gott in
unserer Arbeit, unserem Umgang mit Geld und unseren Diensten in
den Blick nehmen“, so Geleta.

Pfr. Megersa Guta, von 1993 bis 2006 Generalsekretaer der AeEKMY,
wies darauf hin, dass das schnelle Wachstum der aethiopischen
Kirche ein wesentlicher Grund dafuer sei, dass die Kirche auf
direkte Hilfe von Missionsgesellschaften und Gebern bei der
Arbeit in den Gemeinden und der Ausbildung von Fuehrungskraeften
angewiesen sei.

Der Direktor der Kommission fuer Entwicklung und soziale Dienste,
Deed Jaldesa, erklaerte unter Verweis auf Auszuege des Schreibens
von 1972: „es gibt im Leben Werte, die ueber der Verbesserung der
wirtschaftlichen Lage und der Beschaffung moderner Technik
stehen“.

Jaldesa betonte: „die AeEKMY ist der festen Ueberzeugung, dass
die integrierte menschliche Entwicklung der angemessene Ansatz
zum Umgang mit dem Entwicklungsbedarf unserer Gesellschaft ist“.
Seine Kirche engagiere sich in der sozialen Entwicklung und
anderen humanitaeren AEingehen auf die Beduerfnisse von Gemeinwesen, bei dem Betroffene
nicht aufgrund ihres ethnischen oder religioesen Hintergrunds
diskriminiert wuerden.

>Achtung vor anderen Glaubensrichtungen

Der Direktor der LWB-Abteilung fuer Weltdienst (AWD), Pfr.
Eberhard Hitzler, verwies darauf, dass die Kirchen und ihre Werke
im Verlauf der vergangene Jahrzehnte ein vertieftes Verstaendnis
der Entwicklung, der Menschen sowie ihrer Beduerfnisse
artikuliert haetten. Einhellig und ohne Meinungsunterschiede
werde die Position vertreten, dass menschliche Entwicklung viel
mehr bedeute als Technologie, Fortschritt oder die Verbesserung
der materiellen und wirtschaftlichen Lage.

„Der Mensch sollte als Akteur der eigenen Entwicklung im
Mittelpunkt stehen. Nach unserem gemeinsamen Verstaendnis sollten
Menschen nicht Objekte der Mildtaetigkeit sein, sondern als
Akteurinnen und Akteure ihrer eigenen Entwicklung im Mittelpunkt
stehen. Wir sollten sie nicht als Empfaengerinnen von Guetern
oder Objekte der Mildtaetigkeit wahrnehmen. Von aussen kommen
keine Entwicklung und kein Frieden, nur von innen. Niemand kann
Menschen entwickeln, Menschen und Gemeinwesen koennen sich nur
selbst entwickeln“, betonte Hitzler.

Materielle, geistige, soziale, kulturelle und spirituelle
Beduerfnisse und deren Entwicklung gehoerten zwar zusammen, so
der AWD-Direktor. Seinerseits sei er aber vorsichtig, was Fragen
der ganzheitlichen Entwicklung angehe. „Im Sinne einer Achtung
der verschiedenen Kulturen wie auch der unterschiedlichen
Konfessionen und gar Religionen sind wir heute zurueckhaltender,
als es das Schreiben der AeEKMY war, was die Betonung der
spirituellen Dimension – und insbesondere die verbale
Verkuendigung des Evangeliums gegenueber Angehoerigen anderer
Glaubensrichtungen – im Zusammenhang mit einer Hilfeleistung im
Blick auf koerperliche Beduerfnisse angeht.“

Hitzler betonte: „die Notwendigkeit, Nichtchristinnen und
Nichtchristen aus christlicher Liebe und aufgrund der Liebe
Gottes, die allen Menschen gilt, zu helfen, steht nicht zur
Debatte. Wie wir aber anderen Religionen Respekt entgegenbringen,
indem wir die verbale Verkuendigung des Evangeliums nicht
verknuepfen mit einem lebendigen Zeugnis fuer das Evangelium
durch unser Tun – das bleibt eine Frage, die innerhalb des LWB
und in der oekumenischen Bewegung nach wie vor heiss diskutiert
wird.“ (794 Woerter)

(Ein Beitrag von Elizabeth Lobulu, Kommunikationskoordinatorin
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania und Redakteurin
der LWI-Ausgabe fuer die Region Afrika.)

>*       *       *

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 141 Mitgliedskirchen, denen rund 68,3 Millionen
ChristInnen in 79 Laendern weltweit angehoeren.

Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.

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