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(LWI 10-09-2008) TheologInnen erforschen weitere Moeglichkeiten des interreligioesen Dialogs mit dem


From "Dirk-Michael Grötzsch" <dmg@lutheranworld.org>
Date Fri, 31 Oct 2008 23:44:24 +0100

LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html 

>LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
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TheologInnen erforschen weitere Moeglichkeiten des
interreligioesen Dialogs mit dem Islam

LutheranerInnen leisten Beitrag zur oekumenischen Reflexion
ueber christlich-muslimische Beziehungen heute 

Genf, 31. Oktober 2008 (LWI) - Eine Gruppe von rund 50
TheologInnen aus einem breiten Spektrum christlicher Traditionen
und Fachleute fuer den christlich-muslimischen Dialog hat in
Chavannes-de-Bogis in der Naehe von Genf das christliche
Selbstverstaendnis im Verhaeltnis zum Islam und ueber
christlich-muslimische Beziehungen in der heutigen Zeit
eroertert. Die Konsultation vom 18. bis 20. Oktober war eine
gemeinsame Initiative des Oekumenischen Rates der Kirchen (OeRK),
der Konferenz der SekretaerInnen der weltweiten christlichen
Gemeinschaften (einschliesslich des Lutherischen Weltbundes) und
der Weltweiten Evangelischen Allianz.

Theologische Reflexionen ueber die Trinitaet waren waehrend der
ganzen Konsultation ein wichtiges Thema, wobei einige Beitraege
sich speziell auf die Implikationen der Menschwerdung Gottes und
das Wirken des Geistes konzentrierten. Verschiedene christliche
Perspektiven zum Umgang mit dem Islam wurden aus anglikanischer,
evangelikaler, lutherischer, orthodoxer, reformierter sowie
roemisch-katholischer Sicht referiert. In zwei
Podiumsdiskussionen wurden kontextuelle Erfahrungen zu den Themen
“Christen und Christinnen in mehrheitlich muslimischem
Umfeld” und “Christlich-muslimische Beziehungen in
pluralen Kontexten” ausgetauscht. Dies ermoeglichte es den
Teilnehmenden, theologische Reflexion und konkrete Erfahrungen
aus verschiedenen Kontexten miteinander zu verbinden.

Das Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche (Stuhl von
Kilikien), Katholikos Aram I., betonte in seinem Hauptreferat:
“Ich glaube, dass das wahre Ziel des Dialogs fuer Christen
und Christinen sowie Muslime und Musliminnen das Leben in
Gemeinschaft werden muss”. Vor dem Hintergrund der Lage im
Nahen Osten argumentierte er: “Diese zwei monotheistischen
Religionen sind nicht monolithisch. Deshalb muessen
Verallgemeinerungen vermieden werden; der christlich-muslimische
Dialog und die Beziehungen zwischen beiden Religionen muessen im
konkreten Kontext gesehen und organisiert werden.”

LWB-Generalsekretaer Pfr. Dr. Ishmael Noko, der die
Eroeffnungssitzung leitete, erklaerte, die Konferenz sei “Teil
einer neuen Aera in den muslimisch-christlichen Beziehungen”
und stelle eine Antwort auf Initiativen wie das “Gemeinsame
Wort” dar. “Fuer uns als Sekretaere und Sekretaerinnen der
weltweiten christlichen Gemeinschaften ist es wichtig, mit
Fachleuten des interreligioesen Dialogs zusammenzuarbeiten”,
betonte er. LWB-Praesident Bischof Mark S. Hanson hatte zu den
christlichen Fuehrungspersoenlichkeiten gehoert, die auf das
Schreiben “Ein gemeinsames Wort zwischen euch und uns”
antworteten, das 138 muslimische Gelehrte im Oktober 2007 an
leitende RepraesentantInnen des Christentums in aller Welt
gerichtet hatten. (Siehe unter:
www.lutheranworld.org/News/LWI/DE/2178.DE.html)  

>Beziehungsdimension des christlichen Glaubens

In einem Vortrag unterstrich Pfarrerin Simone Sinn, theologische
Assistentin in der LWB-Abteilung fuer Theologie und Studien
(ATS), die Beziehungsdimension des christlichen Glaubens. Unter
Hinweis auf eine grundlegende Einsicht Martin Luthers stellte sie
fest, dass Rechtfertigung kein Ding und keine Eigenschaft sei,
die ChristInnen wie eine Sache besitzen, sondern eine lebendige
Beziehung zwischen Gott und Mensch. “Christlich-muslimische
Beziehungen haben das grosse Potenzial, nicht nur unsere
Beziehungen zueinander, sondern auch unser Verstaendnis von
Gottes Beziehung zu uns zu vertiefen. Diese Begegnungen stellen
eine wichtige Moeglichkeit theologischen und geistlichen Lernens
dar”, so Sinn.

In einer Reflexion ueber den christlich-muslimischen Dialog in
seinem Kontext und darueber hinaus betonte Pfr. Dr. Oddbjorn
Leirvik, Professor fuer interreligioese Studien an der
theologischen Fakultaet der Universitaet Oslo (Norwegen), wie
wichtig die “Humanisierung der theologischen Ethik” sei. In
diesem Zusammenhang nannte er den Aufruf des Schweizer
Islamgelehrten Tariq Ramadan, eines herausragenden europaeischen
Vertreters des Islam, zu einem Moratorium fuer die Todesstrafe
und koerperliche Strafen als Beispiel. Er ging auch auf
Initiativen der von der Kirche von Norwegen und dem Islamischen
Rat in Norwegen eingerichteten Kontaktgruppe ein, durch die das
Engagement fuer “den anderen, der schutzlos und verwundbar
ist,” allmaehlich zu einer gemeinsamen religioesen
Verpflichtung geworden sei. Im Rahmen ihres Auftrags habe die
Gruppe eine gemeinsame Erklaerung ueber das unveraeusserliche
Recht eines jeden Einzelnen, seine Religion frei waehlen zu
duerfen, formuliert und Gewalt in der Familie und in den
Beziehungen zwischen Mann und Frau thematisiert sowie einen
Dialog ueber die hoch kontroverse Frage der Homosexualitaet in
Gang gesetzt.

Die Teilnehmenden bekannten sich zum Dialog als Teil der
Spiritualitaet und zum geduldigen Zuhoeren im
christlich-muslimischen Dialog. Sie betonten die Notwendigkeit,
sensibel mit religioesen Begriffen wie Mission, Zeugnis und
Bekehrung umzugehen. Als gleichermassen wichtig wurde die reiche
theologische Vielfalt unter ChristInnen angesehen. Ferner
muessten Fragen, die von Menschen aus verschiedenen Regionen,
Kontexten und Generationen und insbesondere von jungen Menschen
gestellt wuerden, aufmerksam gehoert werden. ChristInnen und
MuslimInnen sollten in Fragen wie soziale und wirtschaftliche
Gerechtigkeit, Klimawandel, Frieden und Heilung von Erinnerungen,
zusammenarbeiten, betonten die Teilnehmenden.

“Diese Konsultation hat einige der verschiedenen
Moeglichkeiten aufgezeigt, wie wir uns interreligioesen Fragen im
Rahmen breiter oekumenischer Zusammenarbeit annaehern koennen”,
erklaerte Dr. Kathryn Johnson, Assistierende
LWB-Generalsekretaerin fuer oekumenische Angelegenheiten. “Das
Spektrum christlicher Positionen, die auf der Konferenz vertreten
wurden, war sehr breit, aber immer, wenn der Punkt erreicht
wurde, an dem es zu einer ‘Entweder/oder’-Spaltung in
Meinungslager haette kommen koennen, bemuehten sich die
Teilnehmenden stattdessen, ein Gleichgewicht zwischen komplexen
Realitaeten herzustellen”, fuegte sie hinzu.

Johnson merkte weiterhin an, die intensiven informellen
Gespraeche zwischen IslamwissenschaftlerInnen und leitenden
KirchenvertreterInnen waehrend der Mahlzeiten haetten gezeigt,
dass mehr Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch zwischen beiden
Gruppen geschaffen werden muessten. “Ich hoffe, dass der OeRK
und die weltweiten christlichen Gemeinschaften, einschliesslich
der Evangelikalen und Pfingstler, Wege finden werden, wie sie
diese Form der Zusammenarbeit fortsetzen koennen”, so Johnson.
(831 Woerter)

>*       *       *

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft
lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden)
gegruendet, zaehlt er inzwischen 141 Mitgliedskirchen, denen rund
68,3 Millionen ChristInnen in 79 Laendern weltweit angehoeren.

Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.

Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als
Informationsdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB)
herausgegeben. Veroeffentlichtes Material gibt, falls dies nicht
besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB
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