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WCC Pressemitteilung 6
From
"Benoit Zimmerman" <[email protected]>
Date
02 Dec 1998 00:49:52
�kumenisches Dekade-Festival
Pressemitteilung Nr. 6
Zur Ver�ffentlichung frei
1. Dezember 1998
DEKADE-FESTIVAL SCHREIBT BRIEF AN ACHTE �RK-VOLLVERSAMMLUNG
"INKLUSIVE CHRISTLICHE GEMEINSCHAFT IST AUFTRAG DES EVANGELIUMS"
Am Abschlusstag des Festivals zum Abschluss der Dekade "Kirchen in Solidarit�t mit den Frauen" in der simbabwischen Hauptstadt Harare verabschiedeten die Delegierten einen Brief an die Vollversammlung des �RK. Das dreiteilige Dokument, das die Notwendigkeit der Weiterarbeit an den Themen der Dekade �ber das Jahr 1998 hinaus betont, wird der Vollversammlung am 7. Dezember vorgelegt werden. Es fordert die Kirchen auf, Gewalt gegen Frauen zur S�nde zu erkl�ren, "Frauen den ihnen zustehenden Platz in Gottes Sch�pfung zur�ckzugeben" und klagt wirtschaftliche Ungerechtigkeit und Rassismus an. Es enth�lt neben einem kritischen R�ckblick auf die vergangenen zehn Jahre die Formulierung von "Visionen" und "Versprechen" und im dritten Teil eine "Erkl�rung" mit Forderungen an Vertreterinnen und Vertreter der Kirchenleitungen, der Frauen, M�nner und Jugendlichen bei der Vollversammlung.
W�hrend der Teambesuche der Dekade in den Kirchen, "lebendige Briefe" genannt, habe sich leider herausgestellt, dass nicht alle Kirchen dem Prozess in gleicher Weise verpflichtet waren. Deshalb sei ein neuer Brief notwendig, um die Kirchen einzuladen, die wirkliche christliche Gemeinschaft zu schaffen, "wie Christus sie gewollt hat." Dies sei "keine Option, sondern ein Auftrag des Evangeliums", heisst es einleitend.
"Unsere Vision und unser Versprechen" ist der zweite Teil �berschrieben, der sich mit der Gemeinschaft in den Kirchen, der Frage der Gewalt und wirtschaftlicher Gerechtigkeit befasst.
Man halte fest an "der Vision einer neuen menschlichen Gemeinschaft, in der volle Teilhabe aller ihrer Mitglieder verwirklicht ist", betont das Dokument. Von den Kirchen der Vollversammlung wird gefordert, "die finanziellen, geistigen und personellen Ressourcen des �RK f�r die Entwicklung von frauenf�rdernden Programmen einzusetzen". Die Kirchenstrukturen sollten kritisch �berpr�ft werden, damit der "ausschliessende Geist in all seinen gottlosen Formen �berwunden wird".
Zur Gewalt heisst es in dem Brief, dass "Gewalt in der Kirche eine H�resie ist, eine Beleidigung Gottes, eine Beleidigung der Menschheit und eine Beleidigung der Erde". Die Kirchen werden aufgefordert, "Gewalt gegen Frauen zur S�nde zu erkl�ren". An den �RK ging die Empfehlung, "einen Prozess der Busse" zu f�r Umkehrung und Erneuerung der Kirche zu beginnen, und darin auch deren Leitungsstrukturen, Theologien, Traditionen und Praxis einzubeziehen. Dar�ber sollte bei der n�chsten Vollversammlung Rechenschaft gegeben werden.
Armut "in all ihren h�sslichen, beleidigenden und d�monischen Formen" k�nne "weder toleriert noch gerechtfertigt" werden, heisst es im Abschnitt �ber wirtschaftliche Gerechtigkeit. Die Kirchen werden aufgefordert, "Armut und alle ihre entw�rdigenden Formen zu einem Skandal vor Gott zu erkl�ren" und sich die Ziele der UN-Dekade zur Abschaffung der Armut (1997-2007) zu eigen zu machen.
Die "Erkl�rung", letzter Teil des Dokuments, unterstreicht die Notwendigkeit der vollen Mitwirkung von Frauen in allen kirchlichen Bereichen und die �berwindung aller Formen von Gewalt in der Kirche und spricht Kirchenf�hrer, Frauen, M�nner und Jugendliche der Vollversammlung konkret an. So werden kirchenleitende Pers�nlichkeiten aufgefordert, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um "Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in den Kirchen zu korrigieren". Die Frauen der Vollversammlung wurden eingeladen, sich der "Vision und Verpflichtung" des Briefes anzuschliessen.
Die am Abschlusstag diskutierte Fassung war gegen�ber dem vorab versandten Entwurf in Stil, Sprachduktus und L�nge abge�ndert worden. Zahlreiche Delegationen hatten den ersten Entwurf als "zu trocken" und zu wenig dem Geist des Festivals entsprechend abgelehnt, woraufhin eine Arbeitsgruppe w�hrend der Veranstaltung den neuen Test erarbeitete.
Auch dieser wurde w�hrend eines vierst�ndigen, sehr engagierten Diskussionsprozesses in Arbeitsgruppen und im Plenum erg�nzt, an einigen Stellen versch�rft und an anderen sprachlich abgemildert.
Zu besonders intensiven Diskussionen kam es �ber das Thema Sexualit�t. Dass der vorgeschlagene Text die Worte homosexuell, schwul oder lesbisch vermied, sondern von "menschlicher Sexualit�t in all ihrer Vielfalt" sprach, wurde von einigen Teilnehmerinnen als zu wenig deutlich kritisiert, andere wollten den gesamten Abschnitt streichen. Eine orthodoxe Delegierte aus den USA erkl�rte, ihre Kirche habe zur Sexualit�t eine so klare Position, dass es den Frauen unm�glich sei, das Thema �berhaupt zur Diskussion zu stellen. Demgegen�ber hob eine lesbische Pastorin aus den Niederlanden hervor, dass sie in ihrer Kirche offen �ber ihre Einstellung sprechen k�nne.
In der schliesslich verabschiedeten Fassung erkennt der Text die unterschiedlichen Auffassungen �ber die menschliche Sexualit�t an; "Wir sind uns bewusst, dass es eine Reihe von ethischen und theologischen Fragen gibt - wie Abtreibung, Scheidung, menschliche Sexualit�t in all ihrer Vielfalt - die die volle Beteiligung von Frauen beeintr�chtigen, und �ber die sich in der kirchlichen Gemeinschaft nur schwer reden l�sst. W�hrend der Dekade haben wir festgestellt, dass Fragen der menschlichen Sexualit�t in all ihrer Vielfalt besondere Bedeutung erlangt haben. Wir verurteilen Gewalt, die aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zu diesem Thema ausge�bt wird. Wir sind uns schmerzlich bewusst, dass uns das Ringen um diese Fragen m�glicherweise spalten kann. Wir wissen, dass es unter Frauen und M�nnern dar�ber geteilte Meinungen gibt und dass sie f�r einige �berhaupt keine Thema ist. Wir bitten um die Weisheit und die Leitung des Heiligen Geistes, damit wir das Gespr�ch dar�ber fortsetzen k�nnen und damit allen Gerechtigkeit widerf�hrt."
Nach seiner Annahme bezeichnete Dr. Kathleen Hurty, Vorsitzende der Vereinigung kirchlicher Frauen in den USA (Church Women United) den Brief als "kraftvolles und sorgf�ltig formuliertes Dokument". Es sei "nicht perfekt, aber wir haben unser bestes getan". "Ich glaube, dass das Dokument bedeutende Anregungen zum Handeln und wertvolle theologische Denkanst�sse enth�lt und eine gute Ausgangsbasis dort ist, wo wir nicht �bereinstimmen." *
�kumenischer Rat der Kirchen
Presse- und Informationsb�ro, Harare
Tel.: +263.91.23.23.81
E-Mail: [email protected]
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