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Orthodox Church, Albania
From
"Sheila MESA" <[email protected]>
Date
16 Jun 1999 08:25:47
�kumenischer Rat der Kirchen
Feature
Zur Ver�ffentlichung frei
16. juni 1999
INMITTEN VON VERZWEIFLUNG HOFFNUNG BRINGEN - DIE ORTHODOXE KIRCHE VON ALBANIEN LEISTET HUMANIT�RE HILFE
"Als ich h�rte, wir w�rden die Fl�chtlinge aus dem Kosovo besuchen, hatte ich Angst. Ich dachte, die Kosovaren seien wilde und eher grobe Menschen. Ausserdem war uns allen klar, dass die Fl�chtlinge aufgrund ihrer Erfahrungen im Kosovo kein besonders positives Bild von der orthodoxen Kirche haben. Wie w�rden sie auf uns orthodoxe Seminaristinnen und Seminaristen reagieren? Als wir uns aber dann mit ihnen unterhielten, ging uns sofort auf, dass wir es mit Menschen wie wir selbst zu tun hatten. Wir unterhielten uns �ber das, was sie im Kosovo erlebt hatten, dar�ber, wie sie das Leben im Lager aushielten, und �ber ihre konkreten Bed�rfnisse. Aber auch �ber ganz normale Dinge, wie ihre Ausbildung, ihre Familien und ihre Kinder. Ich habe bei diesem ersten Besuch im Fl�chtlingslager einige Freundschaften geschlossen, und ich bin auch schon zur�ckgekehrt und habe meine neuen Freundinnen besucht. Ich bin in das Lager gegangen, weil ich es als meine Pflicht als Christin ansah, Menschen in Not zu helfen. Doch als ich zur�ckkam, hatte ich das Gef�hl, viel mehr empfangen als gegeben zu haben", fasst Marina Marini, Studentin im dritten Jahr an der Theologischen Akademie der Wiederauferstehung Christi in St. Vlash-Durres, Albanien, ihre Erfahrungen zusammen.
Die Ankunft von 450 000 Kosovo-Albanern stellte ein Land wie Albanien, das ohnehin schon mit 70 Prozent Arbeitslosigkeit, massiver Armut und fehlenden Infrastrukturen fertig werden muss, unter unvorstellbaren Druck. Dennoch haben die Albaner die Fl�chtlinge in ihrem Land und in ihren H�usern aufgenommen.
Im vergangenen M�rz, als die Fl�chtlinge t�glich zu Tausenden ins Land kamen, hat die Autokephale Orthodoxe Kirche von Albanien �ber ihr B�ro f�r Sozial-, Entwicklungs- und Nothilfe "Diaconia Agapes" umgehend auf die Notlage reagiert. "Diaconia Agapes" wurde 1992 eingerichtet, um benachteiligten und ausgegrenzten Albanern und Albanerinnen zu helfen. Im Laufe der Jahre hat das B�ro eine ganze Reihe von Hilfsprogrammen entwickelt, darunter Landwirtschaftsprogramme, Kindertagesst�tten, Lehrerausbildung, Krankenstationen, Gesundheitsprogramme f�r Frauen auf dem Lande, nationale Jugendprogramme sowie einen Radiosender.
Angesichts der Notlage richtet "Diaconia Agapes" mit Unterst�tzung von Kirchen auf der ganzen Welt, die von Kirchen helfen gemeinsam (ACT) mobilisiert wurden, Fl�chtlingslager ein und verwaltet sie und hilft albanischen Gastfamilien bei der Aufnahme von Fl�chtlingen. Damit wird vorbildliche interreligi�se Zusammenarbeit geleistet: Mit der Unterst�tzung protestantischer und orthodoxer Kirchen sowie der konkreten Hilfe polnischer Katholiken hilft diese Kirche notleidenden muslimischen Fl�chtlingen. Was "Diaconia Agape"/ACT bisher geleistet haben, ist beeindruckend. So sind zum Beispiel �ber 220 Tonnen Lebensmittel sind im ganzen Land an die Fl�chtlinge verteilt worden.
Die Orthodoxe Kirche von Albanien ist in den vergangenen zehn Jahren mit einem �bermass an Schwierigkeiten konfrontiert worden. Nach 50 Jahren kommunistischer Herrschaft und 23 Jahren intensiver religi�ser Verfolgung musste sie ihre Leitung, ihre Einrichtungen und ihre Geb�ude wiederaufbauen. Sie ist schon weit damit gekommen, doch vieles bleibt noch zu tun. Der Erzbischof von Tirana, Durres und ganz Albanien Anastasios erkl�rte: "Als die Fl�chtlinge kamen, h�tten wir sagen k�nnen: "Wir sind eine arme Kirche', und h�tten abseits bleiben k�nnen." Stattdessen hat die Kirche in grossem Stil humanit�re Hilfe mobilisiert.
Zwar ist die Mobilisierung humanit�rer Hilfe in erster Linie Sache von "Diaconia Agape", doch wird die Hilfe f�r die Fl�chtlinge von der ganzen Kirche getragen. Im ganzen Land haben sich einzelne Mitglieder der Kirche zur Hilfe aufgerufen gef�hlt. Kirchliche Frauengruppen packen Pakete mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln f�r die in Gastfamilien lebenden Fl�chtlinge. Andere Gemeindemitglieder besuchen Fl�chtlinge in Krankenh�usern und versorgen Fl�chtlingsfrauen mit dem Notwendigsten f�r ihre Neugeborenen. Die beiden S�uglingsstationen in Tirana rufen t�glich bei der Kirche an und bitten um Hilfe f�r Neugeborene.
Einer der Dozenten von der Theologischen Akademie der Auferstehung Christi erz�hlte, dass seine Frau eine Fl�chtlingsfrau mit einem Neugeborenen im Krankenhaus besucht und sich mit ihr angefreundet hatte. Als die junge Frau entlassen wurde, konnte sie ihren Mann ausfindig machen, und sie zogen in eines der Fl�chtlingslager. Aufgrund der dortigen Lebensbedingungen wurde das Baby aber krank. "Da haben wir sie zu uns nach Hause eingeladen", erz�hlte er, "und sie haben zwei Monate bei uns gelebt."
Jede Woche besuchen Studierende der Theologischen Akademie und Mitglieder orthodoxer Jugendgruppen die Fl�chtlinge in den Lagern und in ihren Gastfamilien und bringen ihnen Lebensmittel, Waschpulver, Spielsachen und Fussb�lle. Vor allem aber bringen sie diesen Menschen, �ber die grosses Leid gekommen ist, Hoffnung und Liebe. Die Kirche ist entschlossen, ihnen auch in der Zeit zu helfen, wenn ein Friedensabkommen unterzeichnet ist und die Fl�chtlinge nach Hause zur�ckkehren k�nnen.
In einem Teil der Welt, der von ethnischen Spaltungen und Konflikten gepr�gt ist, sind Christen Tag f�r Tag im Rahmen umfassender Nothilfe oder durch individuelle Akte christlicher N�chstenliebe f�r muslimische Fl�chtlinge da. Damit wird die Kirche zum konkreten Zeugnis einer Vision, in der alle Kinder Gottes in Frieden und Eintracht leben.
Die Autorin des Beitrags, Beth Ferris, ist Mitarbeiterin im �RK-Team f�r Internationale Beziehungen.
Aktuelle �RK-Fotos zu Albanien finden Sie unter: http://www.wcc-coe.org/photo
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