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�RK Portrait - Fernando Enns
From
"Sheila MESA" <[email protected]>
Date
03 Sep 1999 06:26:34
�kumenischer Rat der Kirchen
�RK Portrait
3. September 1999
ZENTRALAUSSCHUSS Nr. 2
FERNANDO ENNS - EIN LEIBHAFTIGER PIONIER
Er ist eine leibhaftige Premiere: Fernando Enns, der erste Mennonit im Zentralausschuss des �kumenischen Rates der Kirchen (�RK) - und das, obwohl zu den 147 Gr�ndungsmitgliedern des �RK vor 51 Jahren auch Mennonitenkirchen geh�rten. "Die starke Orientierung auf die lokale Gemeinde hat die Mennoniten sehr zur�ckhaltend gemacht im Blick auf �berregionale Zusammenschl�sse", sagt Enns. Aber das weltweite Engagement sei ihnen im Laufe dieses Jahrhunderts immer wichtiger geworden.
Dass der 35j�hrige Pfarrer als eines der wenigen Mitglieder des Zentralausschusses sich w�hrend der Sitzungen nicht mit den Kopfh�rern f�r die Simultan�bersetzung plagen muss, hat gute Gr�nde: geboren in Brasilien wuchs er seit seinem zehnten Lebensjahr in Deutschland auf. Einen Teil seines Theologie Studiums verbrachte er an einem mennonitischen Seminar in den USA. Den multikulturellen Kontext f�hrt er in der eigenen Familie fort, so ist seine Frau Tochter japanisch-deutscher Eltern.
Aus der Tradition seiner Kirche als "Friedenskirche" hat er einen ganz besonderen Bezug zu der "Dekade zur �berwindung von Gewalt". "Ich w�nsche mir, dass bei dieser Dekade der Begriff Friedenskirche schliesslich �berfl�ssig wird, weil alle Kirchen ganz selbstverst�ndlich die Bem�hung um eine Kultur des Friedens ins Zentrum r�cken." Entscheidend f�r die Dekade ist f�r Enns, dass sie auf lokaler Ebene stattfindet und Gemeinden, Friedensinitiativen und andere Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vernetzt, er warnt aber vor Selbst�bersch�tzung. "Es h�ngt nicht nur an unserem Tun. Wir werden sicher nicht innerhalb von zehn Jahren alle Gewalt �berwinden. Frieden ist eine sehr schwierige Aufgabe, an der wir mitwirken k�nnen, die aber niemals vollkommen gelingen kann. Die Frage des Friedenstiftens muss verbunden werden mit der Frage der Gerechtigkeit und Wahrheit. Das Beispiel der Wahrheitskommission in S�dafrika zeigt, wie man nach sehr schwerer, konfliktreicher Geschichte zu einer Vers�hnung kommen kann, ohne tats�chlich Gerechtigkeit f�r alle herstellen zu wollen. Gerechtigkeit kann nicht allen widerfahren. Und trotzdem m�ssen wir versuchen, als Friedensstifter zu leben und einen Frieden zu bauen, der die Menschen miteinander vers�hnt."
Wichtig ist f�r Enns, dass die Idee der Dekade nicht in der Hierarchie der Kirchen steckenbleibt. Das Thema Gewalt betreffe die ganze Gesellschaft - in Deutschland in anderer Weise als in B�rgerkriegsgebieten, in einer Stadtgemeinde anders als auf dem Land. Es sei sehr wichtig, an die Erfahrungen aus der �RK-Aktion "Frieden f�r die Stadt" anzukn�pfen, und zum Beispiel Initiativen von den Gemeinden vor Ort mit der Polizei und Lehrerkollegien zu vernetzen. "Wir alle m�ssen mit dem Thema Gewalt umgehen, nicht nur in der Kirche, sondern in der Schule, im Fussballstadion, auf der Strasse, gegen Ausl�nder." Kirche k�nne einen entscheidenden Beitrag leisten aus der Hoffnung heraus, dass Gewalt wenigstens zum Teil �berwunden werden kann, sagt Enns. Diese Hoffnung stehe im Zentrum unseres christlichen Glaubens. Kirche k�nne auch starken Einfluss gewinnen, wenn sie sich verb�nde mit bestimmten Institutionen in der Gesellschaft. "Wir d�rfen uns nicht eingraben. Was hinter verschlossenen Kirchent�ren passiert, interessiert keinen Menschen." Wenn die Kirche sich hier nicht einbringt, dann weiss ich nicht, wo sie ihre Aufgabe in der Gesellschaft hat!"
Fernando Enns ist Studienleiter am �kumenischen Institut und Studentenwohnheim der Theologischen Fakult�t in Heidelberg. Studierende aus allen L�ndern, Konfessionen und sogar Religionen leben dort �kumenische Gemeinschaft im Alltag - eine Gemeinschaft, die Enns eher als pers�nliche Bereicherung empfindet denn als Arbeitslast. Aber nicht nur aus der Begegnung mit den Studierenden sch�pft der schlanke Mittdreissiger seine Kraft, sondern auch auf ganz andere Art: "Jeden Morgen gehe ich joggen, noch vor dem Fr�hst�ck laufe ich zum Heidelberger Schloss hinauf und geniesse die Aussicht auf die Stadt. Das sind die intensivsten Minuten am Tag, die ich f�r mich selber geniesse und in denen ich mich erhole."
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Der �kumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von 336 Kirchen in �ber 100 L�ndern auf allen Kontinenten und aus praktisch allen christlichen Traditionen. Die r�misch-katholische Kirche ist keine Mitgliedskirche, arbeitet aber mit dem �RK zusammen. Oberstes Leitungsorgan ist die Vollversammlung, die ungef�hr alle sieben Jahre zusammentritt. Der �RK wurde 1948 in Amsterdam (Niederlande) offiziell gegr�ndet. An der Spitze der Mitarbeiterschaft steht Generalsekret�r Konrad Raiser von der Evangelischen Kirche in Deutschland.
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