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�RK - Deutsche Kirchen ziehen vor ihren Schwesterkirchen selbstkritische Bilanz
From
[email protected]
Date
03 Feb 2001 05:38:52
�kumenischer Rat der Kirchen
Pressemitteilung
zur Ver�ffentlichung frei
3. Februar 2001
ZENTRALAUSSCHUSS, POTSDAM Nr. 20
Deutsche Kirchen ziehen vor ihren Schwesterkirchen selbstkritische Bilanz
"S�kularisierung bietet Chance zur Erneuerung"
In einer eineinhalbst�ndigen Abendveranstaltung stellten die deutschen Kirchen am Freitag, 2. Februar, dem in Potsdam tagenden Zentralausschuss des �kumenischen Rates der Kirchen (�RK) ihre Rolle als "Kirchen in einer s�kularen Gesellschaft" vor. Dabei wurden nicht nur die Probleme der Kirchen in der modernen Gesellschaft angesprochen, sondern auch neue Modelle des Zugangs der Kirchen zu den Menschen vorgestellt.
Um das Ausmass der S�kularisierung in Deutschland zu illustrieren, berichtete Tim Kuschnerus, �kumene-Referent des EKD-Kirchenamtes, �ber ein Ereignis w�hrend der RTL-Quizshow "Wer wird Million�r?": Keiner der Kandidaten konnte die Begriffe Himmel, Name, Reich und Wille aus dem Vaterunser innerhalb 20 Sekunden in die richtige Reihenfolge bringen, was das Boulevardblatt "Bild-Zeitung" fragen liess: "Verabschiedet sich eine Nation von Gott?" Obwohl �ber 60 Prozent der Deutschen einer christlichen Kirche angeh�rten, sei nicht nur die Bindung an die Kirchen, sondern auch das christliche Grundwissen zur�ckgegangen. 1975 gingen 5,5 Prozent der Mitglieder der EKD-Kirchen in den Sonntagsgottesdienst, 1988 waren es noch 4,2 Prozent. Kuschnerus bezeichnete dies als eine "missionarische Herausforderung" f�r die Kirchen.
Der evangelisch-methodistische Bischof Walter Klaiber erl�uterte den Vertretern der 342 �RK-Mitgliedskirchen die religi�se Landschaft Deutschlands: W�hrend in manchen Gegenden Deutschlands die Zugeh�rigkeit zu einer Kirche noch als selbstverst�ndlich angesehen werde, habe insbesondere in Ostdeutschland die SED-Kirchenpolitik zu einer weitgehenden Entkirchlichung gef�hrt. Dieser "Atheismus in der dritten Generation" biete f�r die ostdeutschen Kirchen wenig Gelegenheit zu missionarischen Aktivit�ten, weil oft jedes Interesse an religi�sen Themen fehle. In anderen Regionen Deutschlands, haupts�chlich in den Grossst�dten, gebe es durchaus ein latentes Interesse an Religion, aber die Menschen w�rden sich von Kirche fernhalten und "ihre eigene Religion zusammen basteln". Klaiber berichtete, dass in der "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen" (ACK) derzeit ein Studienprozess laufe, in der die Kirchen Inhalt und Ziel ihrer Mission in der Gesellschaft kl�ren und neue, offenere Forme!
n gemeindlichen Lebens entwickeln wollen.
Der Berliner Altbischof Dr. Martin Kruse berichtete von dem aus Hamburg �bernommenen Modell der "Kircheneintrittsstelle". Dieser "bescheidene Weg" erlaube es Interessierten, an drei bekannten Kirchen im Berliner Stadtgebiet ohne besondere Formalit�ten in die Kirche einzutreten. Nach den Erfahrungen Kruses w�rde dieses Angebot in erster Linie von Menschen genutzt, die getauft sind und "eine gewisse christliche Erziehung" erlebt h�tten, aber irgendwann, teilweise auf Grund negativer Erfahrungen mit der Kirche, ausgetreten seien. Besonderer Vorzug der Kircheneintrittsstellen sei, dass sie Gelegenheit zum pers�nlichen Gespr�ch b�ten. Viele Menschen w�rden sich danach sehnen, "der Kirche" wieder pers�nlich und nicht als Institution zu begegnen.
Am Beispiel des Deutschen Evangelischen Kirchentages erl�uterte dessen fr�here Generalsekret�rin Dr. Margot K�ssmann, jetzt Bisch�fin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, die "Chancen eines offenen Angebotes f�r Laien, Kirchenferne und junge Menschen". Ein "Erfolgsrezept" des Kirchentags mit seinen bis zu 120.000 Teilnehmern sei der auf breite Beteiligung angelegte Vorbereitungsprozess, der den Mitwirkenden ganz andere Erfahrungen mit Kirche erm�gliche als der ansonsten oft "langweilige Alltag" in vielen Gemeinden.
"Wenn die Kirche zu den Menschen geht, wenn sie ihre Schwellen niedrig ansetzt, dann erreicht sie die Menschen" - dieses Fazit zog Bisch�fin K�ssmann aus der EXPO-Beteiligung der Kirchen: Das Ausmass des Interesses am "Christuspavillon", der von 1,8 Millionen Menschen besucht worden sei, habe sogar die Veranstalter �berrascht. W�hrend der f�nf Monate der Weltausstellung seien 2.175 Stundengebete und 74 Gottesdienste gefeiert worden, allein an den Gottesdiensten nahmen �ber 40.000 Besucherinnen und Besucher teil. K�ssmann schlug eine kirchliche Beteiligung auch an der n�chsten Weltausstellung in Japan vor, die nach ihrer Ansicht von den japanischen Kirchen zusammen mit dem �RK organisiert werden sollte.
In einer Bilanz des Abends wies Heike Bosien, die 1998 als Jugenddelegierte in den Zentralausschuss des �RK gew�hlt wurde, auf die Chancen hin, die sich f�r die Kirchen aus der S�kularisierung erg�ben: Die Tatsache, dass es nicht mehr selbstverst�ndlich sei, "in die Kirche hinein geboren" zu werden und ihr "von der Wiege bis zur Bahre" anzugeh�ren, zwinge die Kirchen, mehr auf die Bed�rfnisse der Menschen einzugehen. So seien in ihrer Landeskirche neue Gottesdienstmodelle �usserst erfolgreich: Mit Gottesdiensten zu anderen Zeiten, f�r bestimmte Zielgruppen und zu bestimmten Themen erreiche man Menschen, die den �blichen 10-Uhr-Gottesdienst am Sonntag niemals besuchen w�rden. Bosien stellte auch die Frage, ob die Messlatte der Beteiligung am Sonntagsgottesdienst �berhaupt angemessen sei: Auch Jugend- und Kindergruppen, Frauenkreise oder Friedensgruppen m�ssten als kirchliche Aktivit�ten angesehen werden, obwohl der gr�sste Teil der dort Mitwirkenden kaum Gottesdienste mitfeiern!
w�rden. Selbst die durch zur�ck gehende Einnahmen "erzwungene �berpr�fung der Priorit�ten" habe nicht nur negative Folgen, denn dies k�nne zu einer "Erneuerung der Kirche" f�hren.
Weitere Informationen erhalten Sie von: Karin Achtelstetter, Medienbeauftragte
Tel: (+49.331) 274.92.03 Handy: (+41) 79.284.52.12
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Der �kumenische Rat der Kirchen (�RK) ist eine Gemeinschaft von 342 Kirchen in �ber 100 L�ndern auf allen Kontinenten und aus praktisch allen christlichen Traditionen. Die r�misch-katholische Kirche ist keine Mitgliedskirche, arbeitet aber mit dem �RK zusammen. Oberstes Leitungsorgan ist die Vollversammlung, die ungef�hr alle sieben Jahre zusammentritt. Der �RK wurde 1948 in Amsterdam (Niederlande) offiziell gegr�ndet. An der Spitze der Mitarbeiterschaft steht Generalsekret�r Konrad Raiser von der Evangelischen Kirche in Deutschland.
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