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LWI FEATURE: "Wir muessen fuer die Menschen da sein"


From "Frank Imhoff" <Frank_Imhoff@elca.org>
Date Fri, 27 Aug 2004 10:02:36 -0500

FEATURE: "Wir muessen fuer die Menschen da sein" 
LWB antwortet auf die Noete der Menschen, die in Konflikten und Armut
gefangen sind
 
Kisangani (Demokratische Republik Kongo)/Genf, 27. August 2004 (LWI) -
Wen auch immer man im oestlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo
(DRK) nach der Situation in seinem/ihrem Land befragt, antwortet
regelmaessig: "Sehr kompliziert. Sehr komplex."
 
Diese Komplexitaet bedrueckt auch heute den Kongo - all jene, die den
Frieden vermitteln wollen und jene, die auf die Noete der Menschen
antworten, die in einem Teufelskreis von Konflikt, Vertreibung, Armut
und Angst gefangen sind. Das unueberschaubare Netz politischer Bindungen
und Intrigen, der Mangel an sozialer Infrastruktur zur Unterstuetzung
der Gemeinschaften sowie etliche Jahre der Gewalt und Instabilitaet
haben ganze Regionen im Osten der DRK im Sumpf der Streitigkeiten
versinken lassen. 
 
Zusaetzlich wird die Situation durch die Unzugaenglichkeit vieler
Gegenden kompliziert, die nur fuer Festentschlossene erreichbar sind.
"In diesen Gegenden werden Entfernungen nicht in Kilometern gemessen,
sondern in der Zeit, die man benoetigt, um dahin zu gelangen", erklaert
Emile Mpanya vom Buero der Abteilung fuer Weltdienst (AWD) des
Lutherischen Weltbundes (LWB) in Goma (DRK). Manche Orte seien nur mit
dem Flugzeug zu erreichen, andere nur mit dem Motorrad. Das erschwere
die Arbeit mit den Hilfsbeduerftigen ungemein, so Mpanya. Die Einsaetze
des LWB in der DRK sind eine Ausweitung des AWD-Laenderprogramms in
Ruanda.
 
Laendliche Gegenden im Osten der DRK bestehen aus weit verstreuten
Doerfern inmitten grosser Waldgebiete. Dennoch wirken diese kleinen
Doerfer weder pastoral noch idyllisch. Sie sind vielmehr die Heimat der
Aermsten der Armen, Menschen, die in der Welt leben und doch von aller
Welt vergessen scheinen.
 
Heilbare Krankheiten fordern weiterhin Menschenleben

Die Noete der Menschen sind unermesslich. In Nord- und Suedkivu, der
Ituri- und Ostprovinz, fordern Krankheiten und Beschwerden wie
Durchfall, Masern und Malaria, die normalerweise behandelbar und heilbar
waeren, weiterhin Menschenleben. Es ist ein Gebiet, wo mancherorts
Menschen schon als wohlhabend gelten, wenn sie nur ein Stueck Seife
besitzen. In der Ostprovinz bietet sich in einem Dorf nach dem anderen
das gleiche Bild: Gruppen von Kindern, die vor Entkraeftung nicht mehr
stehen koennen, abgemagert bis auf die Knochen oder mit vom Hunger
aufgedunsenen Baeuchen, beobachten wortlos, wie ihre Muetter den
HelferInnen erklaeren, wie qualvoll es ist, die eigenen Kinder nicht
ernaehren zu koennen. 
 
Der LWB gehoert zu den Organisationen, die sich immer wieder auch mit
scheinbar hoffnungslosen Situationen befassen. Jedes Mal ist es ein
Wettlauf gegen die Zeit: das Leben eines Kindes retten, eine schwangere
Frau ins Krankenhaus bringen, aeltere Menschen pflegen - die Liste der
Anforderungen ist endlos. Und es wird immer schwerer, den Menschen in
Ost-Kongo zu helfen. Die Kaempfe, die Mitte dieses Jahres in Bukavu, der
Hauptstadt von Suedkivu, zwischen rivalisierenden Splittergruppen der
kuerzlich vereinigten kongolesischen Armee ausbrachen, veranlassten
viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs), das Kampfgebiet zu
verlassen. Mehrere tausend Menschen flohen ins benachbarte Ruanda und
viele andere blieben in ihren Haeusern, Krankenhaeusern oder anderen
Anwesen der Stadt gefangen. Ruanda riegelte seine Grenze zur DRK fast
einen Monat lang ab und erlaubte nur Fluechtlingen die Ausreise. Das
staendige Hin und Her der Truppen und der abtruennigen SoldatInnen
fuehrte zu einer noch groesseren Verunsicherung.
 
"Jetzt einen *Krieg' zu beginnen, das ist ein Verbrechen"

Ursache dieser Entwicklung sind immer groessere Spannungen, da sich die
nach fuenf Kriegsjahren gebildete Uebergangsregierung anschickt, im
gesamten Landesgebiet eine integrierte Zivil- und Militaerverwaltung
anzuwerben und einzusetzen. 
 
Ein Mitarbeiter einer NGO, der anonym bleiben will, beschrieb die
Situation im Panzi-Krankenhaus in Bukavu, wo zur Zeit der heftigsten
Zusammenstoesse zwischen uebergelaufenen SoldatInnen und
Regierungstruppen mehrere hundert PatientInnen, MitarbeiterInnen und
BesucherInnen festsassen.. Der Konflikt, so erklaerte er, sei nichts
anderes als ein Verbrechen. "In diesem Land haben die Menschen so viel
gelitten. Jetzt einen *Krieg' zu beginnen, das ist ein Verbrechen."
 
Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Waehrend der Krieg und das Leid,
welches Konflikte unweigerlich begleitet, die Nachrichten bestimmen,
bleibt vieles unerzaehlt: die stillen Geschichten von Mut und
Mitgefuehl, Freundlichkeit und Hingabe, Solidaritaet und grosser Kraft -
von Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen ihr taegliches Leben
fortsetzen. 
 
Im Fluechtlingslager Tuha, einer kleinen Gemeinschaft bei Beni in
Nordkivu, die entstand, als vor einem Jahr die Menschen aus der Provinz
Ituri vor den Kampfhandlungen flohen, war die Unterstuetzung mit
Pflanzensamen, landwirtschaftlichen Geraeten und anderen Guetern
minimal. Um so erstaunlicher war die Wirkung. Jedes verfuegbare
Fleckchen Erde wird bepflanzt. Das Lager Tuha ist ein geschaeftiger und
ertragreicher Ort. "Wenn die Menschen gesuender sind, ist das wegen der
Nahrung und dem Interesse und der Hingabe, die ihr uns gezeigt habt",
betont Elie Molo, der die landwirtschaftlichen Taetigkeiten im Lager
leitet, im Blick auf die Hilfe von den Ortskirchen und AWD/LWB. Diese
Menschen "stehen uns viel naeher, sie sehen, wie wir leiden und sie
verstehen auch, dass wir unbedingt unabhaengig [von aeusserer Hilfe]
werden muessen." 
 
Die geringe Hilfe, die bei dieser Gelegenheit geleistet wurde, hat im
Leben der Menschen eine tief greifende Veraenderung bewirkt. Hier, wo es
noch vor einem Jahr nichts gab, ist wieder ein Fuenkchen Hoffnung
erwacht. Dennoch haben die Menschen die Wirklichkeit nicht aus den Augen
verloren: sie fuerchten sich, nach Ituri zurueckzukehren, weil dort ihre
Sicherheit nicht gewaehrleistet ist und sie vielleicht voellig vergessen
und verlassen sein koennten. 
 
Fuer Mpanya ist es wesentlich, fuer Menschen "da" zu sein. Selbst wenn
die Mittel fuer Einsaetze gering sind, selbst wenn die Hilfe oft
Stueckwerk ist - der LWB/AWD-Mitarbeiter besteht darauf, dass es eine
Rolle spielt. "Wir haben mit wenigen Leuten und wenig Geld schon viel
erreicht." 
 
Er erinnert sich an einen Augenblick persoenlicher Verzweiflung, als er
vor Jahren humanitaere Hilfe leistete und bei der Unterstuetzung von
Menschen schwierige Entscheidungen zu treffen hatte. "Jemand sagte mir:
Selbst wenn das Bisschen, das wir tun, nur ein Tropfen im Ozean zu sein
scheint, ist es oft der eine Tropfen, der ihn fuer den einen Menschen,
dem du hilfst, zum Ueberfliessen bringt." Sicherlich eine einfache
Wahrheit, aber sie befluegelt Mpanya bis heute in seiner Arbeit. (970
Woerter)
 
(Nach dem Original-Feature von Callie Long, Kommunikationsbeauftragte
von ACT (Action by Churches Together - Kirchen helfen gemeinsam). Der
LWB ist Gruendungsmitglied der in Genf ansaessigen globalen Allianz von
Kirchen und deren Partnerorganisationen zur weltweiten
Katastrophenhilfe.)
 
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Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 136 Mitgliedskirchen, denen rund 62,3 Millionen der weltweit
knapp 66 Millionen LutheranerInnen in 76 Laendern angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das ermoeglicht
eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat der Kirchen (OeRK)
und anderen weltweiten christlichen Organisationen. Der LWB handelt als
Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B.
oekumenische und interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere
Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
 
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als Informationsdienst des
Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben. Veroeffentlichtes Material
gibt, falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder
Meinung des LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit "LWI"
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
abgedruckt werden. 
 
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LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html 

LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
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Deutsche Redaktion: Dirk-Michael Groetzsch
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