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(LWI 02-05-2010) FEATURE: Von einem Tsunami-Friedhof zu einer bluehenden Gemeinschaft
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"Dirk-Michael Grötzsch" <[email protected]>
Date
Fri, 19 Feb 2010 16:44:39 +0100
LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html
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FEATURE: Von einem Tsunami-Friedhof zu einer bluehenden
Gemeinschaft
Fuenf Jahre nach dem Tsunami: DorfbewohnerInnen in Indien
blicken voller Hoffnung in die Zukunft
Nagapattinam (Tamil Nadu/Indien)/Genf, 19. Februar 2010 (LWI) -
Anjappan Kumar erinnert sich an den Tag vor fuenf Jahren, als der
verheerende Tsunami, der Tausende von Menschen in Suedasien und
Afrika das Leben kostete, sein Dorf heimsuchte.
“Der Tsunami forderte am 26. Dezember 2004 in unserem Dorf 86
Todesopfer und zerstoerte fast 500 Haeuser und 200 Boote. Das
Dorf sah aus wie ein Friedhof”, erzaehlt der 33-Jaehrige mit
stockender Stimme.
Vor dem Tsunami arbeiteten die BewohnerInnen von
Thirumullaivasal im Distrikt Nagapattinam im suedindischen
Bundesstaat Tamil Nadu als HilfsarbeiterInnen in der
Fischindustrie. Die Maenner fuhren fuer einen geringen Lohn mit
Katamaranen und Kuttern aufs Meer hinaus und die Frauen warteten
am Strand auf die Rueckkehr der Maenner, um den Fang direkt zu
verarbeiten. Sie lebten in Lehmhuetten ohne Toiletten und
Sanitaeranlagen. Ihre Haeuser lagen in der Naehe der Kueste und
wurden bei Ueberschwemmungen immer wieder zerstoert. Jedes Jahr
fielen Reparaturkosten an. Da die DorfbewohnerInnen zumeist nicht
ueber die noetigen Mittel verfuegten, liehen sie sich das Geld
fuer den Wiederaufbau von Geldleihern.
Mittlerweile haben Thirumullaivasal und sechs andere Doerfer im
Distrikt sich mit Hilfe des Lutherischen Weltdienstes Indien
(Lutheran World Service - India, LWSI) zu bluehenden Gemeinwesen
entwickelt. Die BewohnerInnen fangen und verkaufen Fische, teilen
sich die Einnahmen, sparen Geld, halten ihre Boote und Netze
instand und leben zusammen mit ihren Familien und NachbarInnen
ein zufriedenes Leben. “Die letzten fuenf Jahre unseres Lebens
[waren] wirklich erfolgreich und besser als vorher”, erklaert
Kumar, der eine von LWSI unterstuetzte Bootsgruppe leitet.
LWSI, ein assoziiertes Programm der LWB-Abteilung fuer
Weltdienst (AWD), nahm seine Arbeit 1974 als AWD-Laenderprogramm
in Indien auf und widmete sich damals - nach dem
Unabhaengigkeitskrieg in Bangladesch - vor allem den
Beduerfnissen der Fluechtlinge. In seinem Engagement fuer die
Armen in laendlichen und staedtischen Gebieten, deren Zahl
staendig waechst, legt es heute den Schwerpunkt vor allem auf die
Staerkung und Aktivierung benachteiligter Gemeinschaften, damit
diese ihre Lebensqualitaet verbessern und Eigenstaendigkeit
erreichen koennen. LWSI leistet im ganzen Land Katastrophenhilfe
und fuehrt langfristig angelegte integrierte Entwicklungsprojekte
in Ostindien durch.
>Ende der Ausbeutung
In Thirumullaivasal arbeitete das LWB-Programm mit organisierten
Gruppen von jeweils fuenf Personen zusammen und ruestete jede
dieser Gruppen mit einem motorisierten Fiberglasboot und Netzen
aus. “LWSI hat den 175 Familien in unserem Dorf 35 Boote zur
Verfuegung gestellt. Wir haben jetzt Arbeit und sind von
niemandem mehr abhaengig. Wir fangen und verkaufen die Fische
selbst, teilen den Gewinn untereinander und sparen auch ein
bisschen fuer unsere Zukunft und fuer die Wartung der Boote.
Niemand kann uns mehr ausbeuten”, erzaehlt Kumar.
In Zusammenarbeit mit dem globalen kirchlichen Netzwerk ACT
International (Kirchen helfen gemeinsam) hat LWSI nach dem
Tsunami 2004 Nothilfe geleistet und in 18 Doerfern in den
Distrikten Cuddalore, Villupuram und Nagapattinam
Wiederaufbauprogramme durchgefuehrt.
Zu den Hilfsleistungen gehoerten die Versorgung mit
Nahrungsmitteln und Unterkuenften wie auch langfristige Projekte,
die den DorfbewohnerInnen geholfen haben, zu einem normalen Leben
zurueckzufinden. In einigen Faellen sind die Lebensbedingungen
der Menschen heute sogar besser, als sie es vor dem Tsunami
waren.
Kumar sagt dazu: “Ich verdiene heute mehr als frueher und als
Gruppenmitglied kann ich sogar Geld fuer die Zukunft meiner
Kinder sparen. Ich werde meinen Kindern eine gute Ausbildung
ermoeglichen.” Fuer die Mitgift seiner Tochter hat er sogar
etwas Gold gekauft.
>Verbesserte Hygienestandards
Die Lebensqualitaet im ganzen Dorf ist enorm gestiegen. Die
DorfbewohnerInnen leben heute in festen Haeusern, die mit
Unterstuetzung des LWSI gebaut wurden. Fuer die Zubereitung der
Speisen und Beleuchtung verwenden sie kein Kerosin oder Feuerholz
mehr, denn ihre neuen Haeuser sind mit Gasoefen und Elektrizitaet
ausgestattet. Auch die Sanitaeranlagen sind verbessert worden.
Staendig verfuegbares sauberes Wasser und Toiletten gehoeren
dazu. Einige der DorfbewohnerInnen haben ihre Ersparnisse auch
fuer den Kauf von Fernsehern und andere Geraete genutzt, die vor
dem Tsunami im Dorf voellig unbekannt waren. Kumar zum Beispiel
hat einen Wassertank mit einer Pumpe im Haus installiert, der ihn
und seine Familie mit fliessendem Wasser versorgt. Um sein Haus
herum hat er eine Mauer gebaut, die seiner Familie mehr
Sicherheit gibt.
Kumar und seine Gruppe sehen das Leben heute anders - mit neuer
Hoffnung. Die DorfbewohnerInnen nehmen an
Gemeinschaftsversammlungen teil, um Entscheidungen ueber die
Entwicklung ihres Gemeinwesens zu treffen. Die Frauen haben
Selbsthilfegruppen gebildet und die Kinder gehen regelmaessig zur
Schule.
Um die nachhaltige Entwicklung der Dorfgemeinschaften
sicherzustellen, arbeitet LWSI mit den BewohnerInnen auch
weiterhin in Gemeinschaftsprojekten zusammen, die einen Beitrag
zur Aufrechterhaltung der verbesserten Lebensbedingungen leisten,
wie zum Beispiel Mikrokrediteinrichtungen,
Dorfentwicklungskomitees, Katastrophenpraeventionsgruppen,
Programme fuer Gendersensibilisierung, Gesundheitsfoerderung und
die Heranbildung von Leitungskraeften.
Heute sehen diese Doerfer in Nagapattinam nicht mehr wie die
Friedhoefe aus, die Kumar beschrieben hat. Es sind vielmehr
bluehende Gemeinschaften, die sich dank der Partnerschaft mit
LWSI entwickelt haben. (783 Woerter)
Dieser Artikel gehoert zu einer Feature-Serie, die sich mit dem
Thema der Elften Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes -
“Unser taegliches Brot gib uns heute” - beschaeftigt. Die
Vollversammlung findet vom 20. bis 27. Juli 2010 in Stuttgart
(Deutschland) statt.
Die Arbeit der LWB-Abteilung fuer Weltdienst koennen Sie auch
online mit einer Spende unterstuetzen:
http://donations.lutheranworld.org
Hier finden Sie weitere Informationen ueber das assoziierte
AWD-Programm in Indien:
www.lutheranworld.org/Arbeitsfelder/Awd/Laenderprogramme/AWD-Indien.html
>* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft
lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden)
gegruendet, zaehlt er inzwischen 140 Mitgliedskirchen, denen rund
68,9 Millionen ChristInnen in 79 Laendern weltweit angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als
Informationsdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB)
herausgegeben. Veroeffentlichtes Material gibt, falls dies nicht
besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB
oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit “LWI”
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